Antonie Robertson – Honda CB 350

Es gibt ihn noch, den Scheunenfund. Stilecht mit Spinnweben am Lenker und Vogelnest im Ansaugtrichter kann Antonie Robertson sein Glück kaum fassen. In Texas steht die CB 350 von 1972 in einer Ecke. Sie ist der Beweis, dass ein Motorrad bewegt werden muss, damit es sich nicht selbst zerstört. Kurz nach der Produktion in Hamamatsu muss das gute Stück hier gelandet sein, denn über die Jahre sind Felge und Reifen zu einer Einheit verschmolzen. Viel Arbeit für Antonie, aber der hat nur noch custom im Kopf.

Der gebürtige Südafrikaner ist Fotograf und lichtet von spontanen Aufnahmen für Zeitungen bis hin zum klinisch-inszenierten Food-Fetisch alles ab. Diese Mischung aus Antizipation und Detailversessenheit wirkt auf das Bike zurück.

Es kommt nicht oft vor, dass kein professioneller Customizer so ein Ergebnis präsentiert. Seit 20 Jahren hockt der Fotograf über Roller und Africa Twins – als Hobby. Dieses Projekt ist aber eine andere Hausnummer. Easy war der Kauf: Für $750 wechselt die CB den Besitzer. Machbar auch der Transport: Mit dem Schiff geht die Honda auf Reisen, wie sie es nach ihrem Bau von Japan aus schon mal getan hat, aber dieses mal in eine andere Richtung, nach Dubai. Unmöglich ist es aber, bei 46 °C im Sommer auf der arabischen Halbinsel in einer einfachen Garage aus Blech irgendwas zu schrauben. Also nimmt Antonie den Motor kurzerhand mit in sein Apartment und widmet sich jeder Schraube, Dichtung und jedem Lager.

Mehr Leistung generieren Kolben von Wiseco in Kombination mit einer neuen Nockenwelle. Und die Mikunis VM34 können endlich wieder durchatmen mit frischen Filtern von K&N. Aber auch abseits des Motors hat sich einiges getan. Die ganze Elektrik ist größtenteils im Rahmen und unter der Sitzbank verschwunden, ergänzt mit Steuergerät und Digital-Tacho von Motogadget. Wie viel handwerkliches Geschick in ihm steckt, zeigt nicht nur die selbstgedengelte Lampenmaske aus Aluminium. Seine Ambitionen als verhinderter Eisenbieger lebt er an den Kotflügeln aus. Die sind solange mit einer Rollenstreckmaschine (English Wheel) bearbeitet, bis sie diese schöne Form angenommen haben.

Durch die Arbeit an der CB 350 kam Antonie mit einem der wenigen Customizer im Nahen Osten in Kontakt: Möto Dubai. Gründer Marco Möller unterstützt den Fotografen bei der Fertigstellung. Das Ergebnis überzeugt. Ein stabiler Cafe Racer mit wertigen Detaillösungen. Auf die Frage, ob man die Honda erwerben kann entgegnet Antonie: „Wenn die Person genau so gut auf sie aufpasst wie ich, dann steht dem Glück nichts im Weg.“ Wir hoffen, dass Customs aus dieser Region bald nicht mehr so selten sind, wie vergessene Bikes im Heuhaufen.

Text: Henry Kerinnes
Fotos: Antonie Robertson

Teilen:

NEWSLETTER

IMPRESSUM | © 2017 CRAFTRAD