Cherry’s Company – BMW R 1200 GS

Reiseenduros stehen im Vergleich eher selten auf den Werkbänken dieser Welt. Sie überzeugen weniger durch optisches, als vielmehr durch funktionales Potenzial. In der mongolischen Steppe oder auf dem Permafrostboden Sibiriens ist es auch nicht so wichtig, ob der Auspuff mit hübschem Hitzeschutzband getaped oder das Heck gekürzt ist, sondern das Motor und Fahrwerk halten. Kaichiro Kurosu von Cherry’s Company in Tokyo hat da ganz andere Ansichten und modelt die Enduro-Legende zum Leader jeder lokalen Stadtguerilla – eine GS für die City-Show und als verlässliche Maschine auf großer Tour.

Die Popularität der BMW R 1200 GS ist ungebrochen – sie ist seit Jahren das beliebteste Motorrad in Deutschland und wird es mit über 7.000 verkauften Exemplaren 2017 wieder sein. Zweckmäßig durch und durch; bei Bedarf mit allen erdenklichen Assistenz- und Sicherheitssystemen ausrüstbar verspricht sie jeden Winkel der Welt zu erobern, wenn man das will – wohl nur einige Gründe für ihren Erfolg. Kaichiro wollte diese Qualitäten erhalten. Für ihn muss Customizing ergänzen, nicht Leistung herabsetzen, oder gar die völlige Aufgabe der Betriebserlaubnis bedeuten. Auch wenn man es dem Cherry-Umbau nicht ansieht, aber sie ist trotz der Modifikationen noch genauso reisetauglich wie davor. Der spanische Auftraggeber will mit der BMW von Japan zurück nach Europa, und zwischendurch auch mal Beifahrer mitnehmen. Aus diesem Grund hat sich an der Basis-Konfiguration nichts geändert. Es ist dieselbe Sitzposition, wie beim Original. Und auch auf dem Sozius kann man bei Bedarf einige Kilometer mitfahren. Gleiches gilt für Cherry’s Mastermind bei der Elektronik. Jegliches Eingreifen in diese Technologie führt für ihn schnell zur Verschlechterung: „GS is high-quality. If I removed the electronic control technology when I customize it, it will degenerate the motorcycle.“

Fein eingraviert in die Tankabdeckung über dem Benzinverschluss erinnern die Letter den Fahrer ständig an die Maxime auf der GS: Ride Rough and Remote. Dass der Umbau remote kann, daran besteht kein Zweifel. Auch die Roughness springt einen beinahe an. Wie aus einem Guss erscheinen Lampengehäuse, Tankabdeckung und Sitzschale. Bei der Umgestaltung der Front bekam der Scheinwerfer einen eigenen stabilen Rahmen und konnte dadurch etwas tiefer gesetzt werden. Ein größeres Problem stellte der Kühler dar. Wie sollte sich dieser in das Gesamtkonzept einer einheitlichen Linie einfügen, ohne als Preis für die Anpassung Leistungsverluste hinnehmen zu müssen? Nach Wochen der Überlegung kam Kaichiro die Idee der Kühleraufnahme durch das Tankexterieur.

Nicht alle Customs sind immer zum optischen und noch weniger technischen Vorteil. Auch erfahrene Mechaniker sind davon nicht ausgenommen. Cherry’s Company haben es jedoch geschafft, die BMW mit völlig neuen Design-Triggerpunkten auszustatten, ohne dabei die Funktionalität zu zerstören. Hinzu kommt die Wahl auf ein eher ungewöhnliche Custom-Basis, was den Umbau zusätzlich hervorhebt. Nie ging es stilvoller über die Schotterpisten dieser Welt.

Text: Henry Kerinnes
Fotos: Hiromitsu Yasui

 

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