Motorrad
May 12, 2018

Alp Racing & Design – Triumph California Twin

California Twin

Es klingt nach Arbeit im verschlafenen Örtchen Shadow Hills, Kalifornien. Während die Vögel zwitschern, Transporter vorbeirauschen und der Wind in den Bäumen spielt, hört man leise das Hämmern und Drehen von Metall aus der Werkstatt von Alp Racing & Design. Alp Sungurtekin sitzt an den letzten Arbeitsschritten seiner pre-unit Triumph, die zwar gewohnt aussieht, aber so nie existierte. Sein „California Twin” genanntes Konzept ist eine eigenwillige Interpretation der Werksmaschinen aus den 50er-Jahren. Es ist eine der damaligen Zeit entsprechende Weiterentwicklung, eine Designstudie, die aufzuzeigen versucht, was die Fabrikhallen von Triumph hätte verlassen können. Geometrie, Farbwahl, Linienführung – überall wurde den Originalen gedacht und nachempfunden. Herausgekommen ist dennoch etwas anderes.

Das Projekt beginnt mit einzelnen Rahmenteilen und dem passenden Kurbelgehäuse aus dem Jahr 1956. Motor und Getriebe einer pre-unit T110 befinden sich bereits komplett überarbeitet in seiner Werkstatt und warten nur darauf, verbaut zu werden. Alp konstruiert den Rahmen etwas länger, um für gerade amerikanische Straßen und hohe Geschwindigkeiten besser gewappnet zu sein. Auch der Lenkkopf wird hierfür angepasst; ein anderer Winkel ergibt einen längeren Radstand und sorgt so zusätzlich für mehr Laufruhe bei Topspeed.

Bei den Auspuffrohren achtet er ebenfalls auf Stromlinienförmigkeit. Von Hand und durch langsames Erhitzen zurechtgebogen, schwingen sie sich geradezu sichelförmig nach hinten, bereit um den Fahrtwind zu zerschneiden. Alle Blechteile wurden aus Aluminium gefertigt, lediglich der Kotflügel am Vorderrad ist aus Eisen, da er für Stabilität und als Stütze der Gabel dienen soll. Nur Hammer und Dolly kamen als Arbeitsmittel zum Einsatz, sowie das bewährte English Wheel.

Auch der Benzintank hat einen ganz eigenen Charakter. Mit einer fast geraden Fläche auf Höhe des Tankdeckels, wird im weiteren Verlauf der Bogen wunderschön zum Rahmen gespannt. Beim Design wurde auf eine typische Farbgebung geachtet, die mit charakteristischen Pin Stripes dem damaligen Zeitgeist entspricht. Trotz der Grundidee das Motorrad auf Hochgeschwindigkeit zu trimmen, muss bei den Bremsen eine Triumph 8 Trommelbremse her, die auch als “Kuchenkruste” bekannt ist und wenn auch nicht die Performance, so zumindest den Stylefaktor erhöht.

Der Tank und die Kotflügel verleihen der Triumph trotz längerem Radstand eine kompakte, sportliche Optik – auch das ist eine Ode an die Rennvergangenheit von Triumph und ein Fingerzeig auf die Wurzeln von Alp Racing & Design. Dieses Motorrad wurde gebaut, um an Rekordfahrten auf dem El Mirage Dry Lake und den Bonneville Saltflats teilzunehmen. Um das Konzept noch weiter zu treiben, wurde ein Lycette-Sattel montiert und dazu passend ein Sitzbrötchen auf dem Kotflügel am Hinterrad.  Der kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn sich die Geschwindigkeit erhöht und der Körper flach werden muss. Beides, Sattel und „Rennsattel”, sind aus Elchleder gefertigt, das mit seiner Haltbarkeit und der besonderen Struktur zusätzlich für klassische Akzente sorgt.

All diese Veränderungen und Eigenentwicklungen versteht man bei Alp Racing & Design als eine Art Rückblick in eine mögliche Vergangenheit. Ein Motorrad, das als straßentaugliche Rennmaschine für den amerikanischen Markt entworfen worden sein könnte. Stark, schnell und klassisch – New Heritage, wie er schöner kaum sein könnte.

Text: Jalika Gaskin

Übersetzung: Moritz Weinstock

Journal
Info & Credit
Veröffentlicht am: 
May 12, 2018
Autor: 
Moritz Weinstock
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