Reise
February 3, 2018

Mit Vollgas über die Rainbow Bridge

Auf Motorradsafari durch Tokio

Tokio hat den Ruf eines gar nicht kleinen, aber wirklich feinen Hotspots intensiv gelebter Motorradkultur. Rund 40 Millionen Menschen wohnen, arbeiten und leben in der größten Metropolregion der Welt – auf einer Fläche, die gerade mal vier Prozent der Bundesrepublik entspricht.

Mit CRAFTRAD-Chef Christoph hüpfe ich in ein Taxi. Ein neuer alter Toyota – mit Starrachse, dem Charme der frühen 90er und innovativem Touch-Display als Insignie japanischer Technik-Sucht. Auf den Straßen herrscht lebendiger Trubel, den wir uns allerdings intensiver ausmalten. Kein Chaos, keine Hupkonzerte, kein Mega-Stau. Zur Rush-Hour geht in Tokio alles gesittet seinen Gang. Nicht schnell, aber mit maximaler Effizienz.

Am gegenüberliegenden Ende der Stadt sind wir mit Daisuke Mukasa für eine etwas andere Stadtrundfahrt verabredet. Er ist Eigentümer des Animal Boat, einer Werkstatt, die genau das ist, was ihr Name erahnen lässt: eine Arche für überlebenshungriges Altmetall, ein Rückzugsort für vom Aussterben bedrohte Motorrad-Spezies. Als wir schließlich vor dem Laden mit den roten Lettern über der Tür stehen, schießt Daisuke gerade auf der anderen Straßenseite vorbei. Man kann nur seinen gebückten Oberkörper und unter ihm ein paar Räder erkennen. Den Rest verdeckt die Leitplanke. Dazu nimmt mein Ohr einen ziemlich freizügig atmenden Vierzylinder wahr, der die Lust an der Benzinverbrennung regelrecht aus sich herausschreit. Was fährt der Kerl da bloß? Augenblicke später parkt Mukasa-San seine graue Rickman-Kawasaki vor der Werkstatt und heißt uns mit einem munteren „konnichi wa“ willkommen. Wir erwidern den Gruß des hageren Mannes mit gekonnter Verbeugung und einem kräftigem Handschlag. Gelebtes Multikulti.

Männerhöhle Animal Boat

Es beginnt zu regnen. Helm ab, Kippe an, Schlüssel ins Schloss. Der Motorrad-Noah öffnet für uns die Pforten seines Reichs, das aus allen Nähten platzt. Jeder Quadratmeter des ölgetränkten Betonbodens ist zugestellt mit mehr oder weniger fahrbereitem Material, Rennvergasern, original verpackten Matchbox-Autos, einem patinierten Maschinenpark und Devotionalien, die sich nun mal über Jahrzehnte in einer solchen Männerhöhle ansammeln. Waffen, Fahrräder, Bilder vergangener Zeiten. Mein kindliches Ich verabschiedet sich stante pede von der Idee, den Tag im Freien zu verbringen. Hier will ich bleiben! Daisuke kennt die Motorradszene wie kaum ein Zweiter, ist seit über 20 Jahren mit dem Animal Boat unterwegs und wurde so zwangsläufig zum Lokalhelden. Er schraubt an historischen Maschinen oder organisiert mit Freunden und seinem Curry Speed Club Klassiker-Rennen für eine wachsende Gemeinde. Denn viele Japaner finden Spaß daran, sich auch mit einer Honda Super Cub, 50 Kubik und 6 PS, auf der Rennstrecke zu messen. Die zierlichen Viertakter – Gegenentwurf zur europäischen Vespa – sind mit 90 Millionen Exemplaren das meistverkaufte Zweirad der Welt und gelten als Design-Ikone Japans. Die Alltagsmulis gehören fest zum Straßenbild, können Einsteigern bei der Zeitenjagd auf dem Rundkurs aber auch mächtig Spaß bereiten. Die unkomplizierten Leichtgewichte aus den 60ern und 70ern sind Daisukes liebste Kinder. Obwohl – nicht ganz! Den ersten Platz vergibt er doch an den Bock vor der Tür, an seine Rickman-Kawasaki. Denn was schon in Europa ein edles, rares Biest ist, gilt im fernen Asien als absolute Ausnahmeerscheinung. 

Auf der Rickman-Kawasaki geht es durch Tokio, vom Fischmarkt über die Deus-ex-Machina-Filiale nach Shibuya, Bosozoku-Fahrer bestaunen. 

Die ganze Story steht in CRAFTRAD N°6, hier kannst du die Ausgabe bestellen.

Journal
Info & Credit
Veröffentlicht am: 
February 3, 2018
Autor: 
Sven Wedemeyer
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