Portraits
February 11, 2018

Ein Amerikaner in Paris

Clutch Custom Motorcycles

Paris, die Stadt der Zweiräder 

Auf dem Schnellstraßenring Périphérique zwängen sich kreischende Supersportler mit 150 km/h durch mäandernde Clios und Berlingos hindurch. Vor der Opéra wenden dreirädrige Piaggio-MP3-Scooter über vier Spuren hinweg. Seriöse Herren im dunkelblauen Maßanzug schwingen mit ihren fabrikneuen BMW-Tourern über die Rue de Rivoli. Wahlweise mit oder ohne kläffenden Terrier im Tankrucksack. Minimalistisch zurechtgestrippte CB-Hondas warten ungeduldig an roten Ampeln. Gleich dahinter, an Jugendstil-verzierten Abgängen zur Metro, parken abgerockte Cafe Racer – Nortons, Guzzi Le Mans. Und viele BMW R 75/6, 100/7 … Selbstverständlich gibt es auch hier eine blühende Custom-Szene. Diese hat sich vornehmlich der klassischen Motorräder aus den Siebzigerjahren angenommen. Es ist bunt auf den Straßen von Paris. Facettenreich und schillernd wie ein Streifzug über den Blumenmarkt auf der Île de la Cité.

Einer derer, die einen wesentlichen Einfluss auf die Schönheit des zweirädrigen Stadtbilds von Paris haben, ist Willie Knoll. Der gebürtige US-Amerikaner betreibt im Stadtteil Bercy seine eigene kleine Independent Garage Clutch Custom Motorcycles. Hier nimmt er sich mit großer Leidenschaft Klassikern wie BMW-Zweiventilern, Kawasaki Z 650, Yamaha SR 500 und Neoretros wie Triumph Bonneville, Kawasaki W650 oder BMW R nineT an. Willie kürzt Rahmenhecks, ersetzt Benzintanks, polstert Sitzbänke ab und überholt ölende Motoren. Sein Bare-Metal-Großstadt-Style gibt den Motorrädern ein eigenständiges Gesicht, reduziert aber die Alltagstauglichkeit nicht. Viele der an seinen Kreationen verbauten Teile fallen aus dem gewohnten Rahmen. Frische Ideen. In Handarbeit umgesetzt. 

„Über 90 Prozent der benötigten Accessoires sind Eigenbauten. Ich mag keine Aftermarket Parts“, klärt uns Willie auf. Bei Clutch Custom herrschen also klare Regeln. Willie hat ein feines Gespür für Formen und Farben. Denn immer weisen seine Entwürfe eine ausgesprochen klare Linie auf. Kein unpassendes oder falsch dimensioniertes Detail stört den Fluss. So stellt er atemberaubende, klar gezeichnete Bikes auf ihre zwei Räder. 

Dazu der Erbauer: „Mein Stil? Ein wenig Drag-Bike-Styling, saubere Linien und schön gearbeitete Details.“ Erst nach wochenlanger, schweißtreibender Schrauberei, nach endlosen Stunden an der Drehbank und geduldigem Anpassen der handgedengelten Bodyparts ist Willie mit dem Ergebnis zufrieden. Der Aufwand scheint sich zu lohnen. Wie so oft führt die Mixtur zweier Kulturen – etwa dem amerikanischen Lifestyle und dem französischen Savoir Vivre – auch bei Clutch Custom Motorcycles zu bemerkenswerten Ergebnissen. 

Wie Willie Knoll es sich im 12. Arrondissement eingerichtet hat und warum er keine Angst vor der restriktiven Pariser Motorrad-Politik hat, steht in CRAFTRAD N°4. Hier kannst du die Ausgabe bestellen.

Text: Dirk Mangartz

Journal
Info & Credit
Veröffentlicht am: 
February 11, 2018
Autor: 
Redaktion
Fotos: 
Peter Musch
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