Portraits
June 29, 2018

Crossing Colombia

Allein auf dem Motorrad gegen den illegalen Wildtierhandel

Crossing Colombia

Mein Name ist Janelle aka motogypsy. Mein Lebensziel ist es, die Wildnis auf Erden zu schützen und mehr Leute darauf aufmerksam zu machen, dass sie als etwas kostbares zu betrachten ist. Genau deshalb will ich den illegalen Tierhandel unterbinden und Organisationen, die dagegen arbeiten, unterstützen.

Während meinem Biologiestudium an der Universität von North Carolina in Asheville hörte ich das erste Mal von illegalem Tierhandel auf dem Schwarzmarkt. Ich sah wilde Tiere, die aus dem Jungel entführt und in grausamer Weise in LKWs verfrachtet und zu potentiellen Kunden auf die Märkte transportiert wurden. Viele von ihnen sterben bereits auf dem Weg dorthin. Das hat mich sehr mitgenommen und ein Feuer in mir entfacht, das noch heute brennt. Nach meinem Abschluss bin ich nach Thailand gegangen, da ich wusste, dass dort der Handel mit Wildtieren floriert. Das war vor gut sechs Jahren.

Ich bin immer viel Motorrad gefahren, aber auf und mit dem Motorrad zu leben hat erst vor drei Jahren begonnen. Damals bin ich mit einem Cruiser durch die Staaten gefahren und habe versucht, Aufmerksamkeit gegen illegalen Tierhandel zu erregen und Spenden für Organisationen in Asien und der Welt zu sammeln. Dann habe ich mein Motorrad verkauft, um eine Enduro in Vietnam zu kaufen und von dort aus nach Laos zu fahren. Dort habe ich mich einer Umweltschutzorganisation angeschlossen und als Volontär für sie gearbeitet.

Es ist nicht immer einfach, sich bei all den Scheußlichkeiten, die da draußen so passieren, jeden Tag aufs Neue zu motivieren. Deshalb fokussiere ich mich auf die positiven Dinge und versuche dadurch meinen Optimismus zu bewahren. Ich versuche den Helfern zu helfen, sie zu ermuntern, dass ihre Arbeit nicht unnütz ist und der Schutz für die Tierwelt eine Aufgabe für uns alle ist. Gerade in den Kindern sehe ich großes Potential, da sie von Natur aus empathischer sind als die abgestumpften Erwachsenen. Sie für die Natur zu begeistern, für den Schutz der Umwelt zu sensibilisieren, halte ich für äußerst wichtig.

Im Februar bin ich nach Bogota, Kolumbien, geflogen, um dort ein Motorrad zu kaufen und die vielen positiven Entwicklungen zum Schutz der Umwelt in diesem Land zu dokumentieren. Ich hatte keine genaue Vorstellung davon, was für ein Motorrad sich dort auftreiben ließe; Kolumbien war mir fremd. Über Kontakte in Nordamerika kam ich mit Royal Enfield in Verbindung, die mir einen super Preis für eine gebrauchte Himalayan machten.

Cocaine Country

Kolumbien entwickelt sich gerade erst nach über 53 Jahren dauerhafter Konflikte, die hauptsächlich immer wieder durch den Kokainhandel entstehen. Die Anwesenheit bewaffneter Guerilla-Kämpfer im Jungel hat dabei aber auch große Landstriche geschützt, die ansonsten von der Agrarindustrie beschlagnahmt worden wären. Jetzt, da es immer sicherer wird, versuchen Wissenschaftler den Tier-und Artenreichtum zu erfassen, bevor es zu spät ist und sich Wirtschaftsunternehmen ansiedeln. Kolumbien hat eine fantastische Landschaft und die meisten Vogelarten auf der ganzen Welt. Der Artenreichtum ist so groß, dass er nur von Brasilien übertroffen wird.

Aktuell bin ich mit meiner Himalayan, die ich Oso getauft habe (nach dem seltenen Brillenbär der Anden, den Oso Andino) in einem kleinen Dorf im Norden von Kolumbien. Dort schaue ich mir die Entwicklungen auf einer Rettungsstation für Wildtiere an. Dieses Gebiet im Speziellen hat eine sehr gewalttätige Vergangenheit und das neue Schutzreservat ist ein erster Schritt Richtung Frieden in der Region. Hier bin ich auch auf ein fantastisches Ehepaar gestoßen, die mir davon berichteten, wie sie zwei zum Verkauf angebotene Affen klauten. Sie gaben sich als interessierte Touristen aus und nahmen die beiden Affen wenig später einfach mit. 

So läuft es aber meist nur selten, denn der Handel mit Wildtieren steigt gerade durch Touristen, die Mitleid mit den Tieren haben und sie kaufen um ihnen ein besseres Leben zu ermöglichen. Das hat mich darüber nachdenken lassen, wie man Leute dazu ermuntern kann, lieber Wildtier-Pirat zu werden, als durch den Kauf den Handel weiter zu befeuern. Mein Rat: 

„Wer nicht die Eier hat, die Tiere zu klauen, der soll zumindest nicht dafür zahlen, sondern stattdessen eine Auffangstation kontaktieren oder die Polizei rufen."

Offroad-Kätzchen

Meine Himalayan hat sich bisher als super zuverlässig herausgestellt, was wahrscheinlich die wichtigste Eigenschaft ist, wenn man die Anden und die Amazonas-Regionen durchquert. Sie hat die perfekt Höhe und ein gutes Gewicht für mich. Ganz im Gegensatz zur großen KLX, die ich in Laos hatte. Mit meiner Körpergröße von 1,67 Meter wurden dort einige Situation weitaus gefährlicher, als sie es eigentlich hätten sein müssen; zum Beispiel als ich das Motorrad auf ein super schmales Kanu schieben musste, um mich von einem Kind ans anderer Ufer paddeln zu lassen. Die Himalayan eignet sich dagegen bestens für grobes Terrain und sieht auch noch gut aus. Nachdem ich in meiner Heimat eine Yamaha XVS 1100 stehen habe, sehne ich mich zwar manchmal nach etwas mehr Power. Aber nachdem ich bisher nur wenig Erfahrung auf unebenen Straßen und Feldwegen habe, schätze ich das geringe Gewicht und die Agilität der Enfield schon sehr. 

Als nächstes steht Cordoba auf dem Plan. Hier will ich Anfang nächster Woche in einer weiteren Auffangstation für gerettete Wildtiere Lager aufschlagen. Ich habe eine eigene Kampagne für die Aiunau Foundation entwickelt und würde mich sehr freuen, wenn Du mich dabei unterstützt. Es handelt sich dabei um eine Non-Profit-Organisation und jeder Cent, der in das Projekt fließt, dient der Fertigstellung der Anlage und den Gebäuden dort vor Ort. Auf GoFundMe kannst Du noch mehr über mein Projekt erfahren und mich direkt unterstützen und über Instagram halte ich Dich stets auf dem Laufenden, was ich so mache.

Danke für’s Zuhören!

Text: Janelle Kaz

Übersetzung: Moritz Weinstock

Journal
Info & Credit
Veröffentlicht am: 
June 29, 2018
Autor: 
Redaktion
Fotos: 
Janelle Kaz
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