Reise
April 2, 2018

Das geile Leben

Wanderjahre auf der SR 500

Wanderjahre auf der SR 500

Bevor Jens vom Brauck mit JvB-moto eine der profiliertesten Custom-Adressen Deutschlands geschaffen hat, ist er zehn Jahre lang mit seiner SR 500 durch Europa und Nordafrika gezogen. 1991 bildete sich die Grunge-Jugend was darauf ein, den Zumutungen des Kapitalismus Nirvanas Nevermind entgegenzuschleudern – und sich noch eine Tüte zu drehen. Jens vom Brauck hatte zwar arschlange Haare, stand aber nie auf Kiffen. Die anderen schwafelten, er machte Ernst. Karriere? Scheißegal, das könnt ihr alleine machen, ich reise. Zum Zivildienst konnte er in ein ehemaliges Schwesternheim ziehen, das für zehn Jahre seine Adresse blieb. 100 DM Monatsmiete, mehr kam an Fixkosten nicht zusammen. Kaum war der Zivildienst beendet, tauschte er das Sauerland gegen Australien und Mexiko, um schließlich mit seiner SR ein zehnjähriges Nomadenleben in Europa mit Abstechern nach Marokko zu führen. Als er mit Anfang 20 die SR kaufte, hatte er weder Ahnung noch Kohle. Costumizing kannte man nur bei Harley-Davidson-Maschinen. Wenn man auf eine SR eine andere Sitzbank schraubte, winkten die Kumpels ab: „Was soll der Quatsch, lass gut sein!“ Aber Jens vom Brauck schwebte für seine SR noch viel größerer Quatsch vor, ein Umbau in Richtung Chopper oder Bopper. Schnell merkte er jedoch, dass jeder seiner laienhaften Eingriffe das Fahrverhalten versaute. Statt langer Gabel entschied er sich also für einen größeren Tank und Seitenkoffer – und fuhr mit der SR über 250.000 Kilometer, zwischen 20.000 und 40.000 im Jahr.

Einfach drauf los 

Vier Jahre lang hat er in Malaga gelebt und gearbeitet, ist nur sporadisch zum „richtigen“ Geldverdienen für ein, zwei Monate nach Deutschland zurückgekehrt. Von Malaga aus ist er das erste Mal nach Marokko übergesetzt. Ein Katzensprung, aber mit krassem Kulturschock. Mit der SR kam er von der Fähre und landete direkt auf einem riesigen Markt, umlagert von den professionellen Abzockern, die jede Grenzstadt bevölkern. Also Gas geben und ins Landesinnere. Dort hat er ein anderes Marokko kennengelernt: aufgeschlossene Menschen, überwältigende Natur. Aus den Tiefen des Atlas-Gebirges kämpfte er sich über den Kamm, blickte nach Süden über die Ebene, die in die Wüste übergeht, und dachte: „Afrika. Es fehlen nur die Elefanten.“

Mit einem Motorrad war man in Marokko der totale Außenseiter. Kontakt zu anderen Fernreisenden hat Jens vom Brauck nicht gesucht. Die waren ihm zu professionell unterwegs. Einfach losfahren, nichts organisieren, das war sein Ideal. Man braucht für Marokko kein Visum. Am Hafen füllt man einen Zettel aus und das ist es. Durch das kleine, alte Motorrad war ihm ein Sympathie-Bonus in einem armen Land wie Marokko sicher. Kommt man mit einem neuen GS-Schlachtschiff an, ist das war anderes als mit einer alten, verranzten Kiste. Die Leute gehen einem weniger auf den Keks. Man wirkt wie einer von ihnen oder zumindest wie ein armes Schwein, das sich kein Auto leisten kann. 

Wie Jens vom Brauck mit der SR kohlenstaubverdreckte Köhler in Marokko und miniberockte Tankwärtinnen in Rumänien kennen lernt und die kleine Yamaha nach 25 Jahren Ruhepause zu neuem Glanz bringt, kannst du in CRAFTRAD N°6 nachlesen. Hier geht's zur Ausgabe.

Journal
Info & Credit
Veröffentlicht am: 
April 2, 2018
Autor: 
Jan Joswig
Fotos: 
JvB-moto
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