Custombikes
January 16, 2018

Death Machines of London – Moto Guzzi Airforce

Moto Guzzi Le Mans MK II Custom

Stromlinienförmig wie ein Jet

Death Machines of London klingt für einen Motorradbauer zunächst etwas komisch. Doch Namensgebung hin oder her: Die Moto Guzzi Le Mans Mk2 des in London ansässigen Customizers wirkt nicht wie aus der Unterwelt, sondern wie von einem anderen Planeten. Dabei ist der Airforce-Racer ganz und gar irdischen Überlegungen entsprungen. In Erinnerung an Giovanni Ravelli, Motorradrennfahrer, Pilot im Ersten Weltkrieg und Mitbegründer des legendären italienischen Motorradherstellers Moto Guzzi, wollten die beiden Engländer James Hilton und Ray Pettys ein Motorrad bauen, dass den Charme alter Flugzeuge mit der Leidenschaft für motorisierte Zweiräder vereint. Vom handgefertigten Rumpf bis zur Hinterradscheibe ‒ stets wurde nach der Maxime gearbeitet: Was würde Giovanni machen?

Als James und Ray die Les Mans Mk2 von 1982 in einem Garten im Süden Italiens fanden, war sie durch die Nähe zum Meer und die unzähligen Jahre unter freiem Himmel stark mitgenommen. Doch abgesehen von optischen Mängeln stellte sich die Basis als äußerst gut heraus. Beim Motor gab es kaum größere Probleme und nachdem alles gründlich untersucht, auseinandergenommen und gereinigt wurde, konnte der Neuaufbau beginnen. Die Hauptarbeit bestand darin, die Lager zu wechseln, die Dichtungen zu erneuern und neue Zylinderköpfe einzusetzen. Mit modifizierten 36mm Vergasern von Dell’Orto, handgefertigten Ansaugtrichtern und weit geöffneten Auspuffrohren wurde eine neue und äußerst stimmige Einheit geschaffen.

Beim Rahmen eröffnete die sogenannte Tonti-Konstruktion (benannt nach ihrem Erfinder Lino Tonti) nur begrenzten Spielraum. Die beiden Jungs von DMOL wollten das Potential dieser genialen Schöpfung aus den Siebzigern dennoch maximal ausreizen. Mit einer modifizierten Gabelaufnahme wurde der Lenkwinkel um drei Grad verringert, sodass sich eine neue und äußerst sportliche Geometrie ergibt. Am Vorderrad arbeitet jetzt die nahezu komplett veränderte Gabel einer Aprilia RS250. Flach und windschnittig wie eine britische Spitfire liegt das Cockpit nun über dem Vorderrad. Für eine ähnliche Optik am Heck musste die originale Hinterradschwinge dem Bauteil einer Moto Guzzi California weichen. Damit alleine war es jedoch nicht getan. Auch hier haben die Jungs nachjustiert und konventionelle Stereo-Federbeine durch ein Zentralfederbein von Hagon ersetzt. Ein weiterer Schritt in Richtung Flugzeug-Transformation.

Die Handwerkskunst steht im Vordergrund.

Über die Sinnhaftigkeit der dünnen Firestone Reifen lässt sich natürlich streiten. Und auch die 300 Millimeter großen und ungelochten Bremsscheiben aus eigener Manufaktur ergänzen das Bike nur in optischer Hinsicht zu einem sinnvollen Gefüge. Der Tank ist in flugzeughafter Bauweise aus einer mit Aluminium ummantelten Holzkonstruktion entstanden, die durch spätere Entfernung des Innenlebens Platz für den Brennstoff schafft. Die restliche Verkleidung ist auf traditionelle Weise gedengelt und per Rolldrehbank geformt worden, und was nach gebürstetem Stahl aussieht, ist bester Lack in Airforce Grey.

Nichts an dem Custom erscheint zufällig oder wirkt nach Massenware. Die minimalistische Kontrolleinheit auf dem Tank, der Xenon-Frontscheinwerfer, das LED-Rücklicht, die umgekehrten Brems- und Kupplungshebel ‒ nahezu alles wurde in der eigenen Werkstatt angefertigt, Giovanni wäre stolz gewesen.

Airforce ist ein Projekt für und in Erinnerung an den in Vergessenheit geratenen Mitbegründer von Moto Guzzi. Und obwohl es damals noch keine E-Gitarren gab, entschieden sich James und Ray bei ihrem Tribut-Projekt für eine ungewöhnliche Art, den Motor zu starten. Eine ¼ Zoll Gitarren-Buchse mit eingebautem Wegfahrsperrensensor dient als Zündschlüssel. Wieso? ‒ „because hell yeah”!

Journal
Info & Credit
Veröffentlicht am: 
January 16, 2018
Autor: 
Moritz Weinstock
Fotos: 
Ivo Ivanov
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