Portraits
February 17, 2018

Dynamik im Stand

Hans A. Muth bringt das Motorraddesign in Schwung

Der Lange Weg in den Motorradolymp

Autos, Motorräder, Flugzeuge, Eisenbahnen – alles, was den Menschen bewegt und beschleunigt, fasziniert Hans A. Muth von klein auf. Angefangen hat es mit dem Einfluss seines Großvaters, Automobil-Konstrukteur, Dozent, Autor, Zeichner und Automobilist. Der Bugatti 35 B, als Modell auf seinem Schreibtisch, wurde zum Schlüsselerlebnis von Hans. Perfektion in Geschwindigkeit, Technik und Design – Hans wurde infiziert und wer einmal diese Droge in ihrer ganzen Facette schmeckte, kommt so schnell nicht mehr von ihr los. Mit zwölf kam der zweite Schuss in Form einer 500er BMW. Glattflächig, elegant, maskulin und souverän wirkte das Motorrad auf ihn, ganz anders als die zerklüfteten, überwiegend einzylindrigen Maschinen der Vorkriegszeit, die in diesen Tagen unterwegs waren. Nur wenige Motorradhersteller konnten so früh wieder einen Neuanfang wagen, BMW gehörte zu den Auserwählten. Hans brach von Solingen im Rheinland auf zu einer Fahrradtour. Unterwegs besuchte er den Rennfahrer Schorsch Meier in seiner Münchner Filiale, kaufte dort ein Paar BMW-Embleme und schraubte sie an sein Rad. Passanten blieben verwundert stehen und fragten, ob es ein BMW-Fahrrad sei. Gestaltung im Kleinen.

Es folgte eine handwerkliche Ausbildung zum Werkzeugmacher, der sich ein Studium zum Grafik- und Industriedesigner an der Werkkunstschule in Wuppertal anschloss. Den Dozenten war die einseitige Ausrichtung auf Automobile ein Dorn im Auge. Hans verließ daraufhin die Schule und arbeitete autodidaktisch weiter. Hätten die Eltern oder der Fiskus von diesem Entschluss gewusst, wären Schwierigkeiten aufgetreten, also verließ er wie gewohnt morgens das Haus und zeichnete in einem angemieteten Zimmer, wie Autos in seiner Vorstellung auszusehen haben. Nach einem Jahr konnte der Schein nicht mehr aufrechterhalten werden. Unmut des Vaters drohte. Das Schicksal war auf seiner Seite. Entwürfe zu Mercedes-Sportwagen von ihm wurden in der Motor Revue veröffentlicht, Mercedes-Benz wurde auf sie aufmerksam und bot dem unbekannten Neuling eine Stelle als Stilist an. 

Mit dem Vater fuhr er nach Stuttgart. Wohlwollende, begeisternde Worte auf der Firmenseite, geschwollene Brust auf der des Vaters. Hans lehnte dankend ab. Zweifel oder Weitsicht ließ ihn diese Chance ausschlagen. Er war jung und voller Tatendrang, der Vater besorgt um seine Zukunft und Mercedes konservativ. Hans machte sich selbstständig mit einem Studio für Grafik und Design in Stuttgart. Er zeichnete Automobil-Darstellungen für Werbekataloge. Volkswagen, Mercedes, Opel, NSU und Porsche waren die Abnehmer. Mit NSU begannen dann auch die ersten ernsthaften Versuche, ein Auto mitzugestalten – den Prinz. Ford USA hatte den Mustang auf den Markt gebracht, Hans zeichnete einen Entwurf, wie ein europäischer Mustang aussehen könnte. Die Skizze landete bei Ford USA, von dort gelangte sie zurück nach Deutschland und er wurde bei Ford Köln als Designer eingestellt. Fünf Jahre rotierte er in diesem Konzern. Dann kam die Unruhe wieder, er kündigte bei Ford und folgte der inneren Stimme in den sonnigen Süden, zu BMW nach München. 

Wie Hans A. Muths Schlangenlinienkurs in der Motorradabteilung von BMW endlich zu Erfüllung und Ruhm führt, steht in CRAFTRAD N°6. Hier geht's zur ganzen Ausgabe.

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Veröffentlicht am: 
February 17, 2018
Autor: 
Redaktion
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