Motorrad
December 22, 2015

Die „kleine“ Triumph Bonneville 2016

Einer ruft: „Fünfundsechzig!“

„Nee, auf keinen Fall. Fünfundsiebzig!“, schallt die Antwort.

„Viel zu viel“, entgegnet der nächste, „… aber die wird mehr als der Vorgänger haben.“

„Ich hab kurz nen Kumpel gefragt“, grätscht ein anderer in den Disput, „der muss es wissen: fünfundfünfzig!“

Auf keinen Fall fünfundfünfzig! Viel zu wenig – dafür zieht die viel zu gut. In diesem Punkt sind sich ausnahmsweise alle einig.

Überraschung zum Auftakt

So, oder so ähnlich kann man das Benzingespräch beim Kaffeestop im Hinterland Valencias in dem malerischen Dorf Millares auf unserer Pressefahrt mit der brandneuen Triumph Bonneville Street Twin zusammenfassen. Es dreht sich alles um das Thema Leistung und wie viel PS die neue kleine Bonneville wohl haben würde. Triumph ist zu dem Zeitpunkt noch nicht mit den Daten um die Ecke gekommen. Ganz bewusst nicht, weil sie uns Journalisten erst mal die Maschine „erfahren“ lassen wollten. Man kann schon sagen, dass das sehr geschickt gemacht wurde von den Erlebnis-Strategen aus Leicestershire. Denn tatsächlich hat die neue Bonnie nur 55 PS und damit 12 PS weniger als das Vorgängermodell. Der große Unterschied aber ist: mehr Drehmoment und das bei deutlich niedrigeren Drehzahlen. 80 Newtonmeter liegen schon bei 3.200 Umdrehungen an. Also verhältnismäßig guter Druck aus dem Keller raus. Das ist kein Bike, welches man permanent Richtung fünfstellige Drehzahlen treibt (was eh nicht möglich ist), sondern eins, mit dem man sich die meiste Zeit zwischen 2.000 und 5.000 Umdrehungen bewegt - genau richtig für einen wendigen, leichten Roadster, um damit in der Stadt oder aber auch über Land unterwegs zu sein und Spaß zu haben.

Die ordentliche Abstimmung bringt Spaß und Komfort

In den Bergen des Naturparks Calderona hatten wir große Freude daran, mit der Triumph durch die Kurven zu surfen, was dank niedrigem Schwerpunkt und einem fahrfertigen Gewicht von 217 kg erstaunlich leicht vom Lenker ging. Auch die Sitzposition, zu der Chefentwickler Stuart sagt, dass sie mehr „engaging“ ist, wirkt sich positiv auf das Fahrverhalten aus. Durch die etwas nach hinten verlegten Fußrasten bewegte sich die Neigung ein paar Prozent weiter in Richtung Cockpit, wodurch auch größere Menschen gut auf der „Kleinen“ klarkommen, aber man auch eine deutlich bessere Rückmeldung vom guten Fahrwerk bekommt als beim Vorgänger. Die Sitzhöhe ist mit 750 mm sehr niedrig und durch die schmale Taille der Sitzbank auch für kleinere Menschen easy zu handhaben. Die Kupplung war mir für meinen Geschmack etwas zu leichtgängig (man brauchte schon etwas Übung, um den optimalen Anfahrtsschleifpunkt zu erwischen).

Satter Britpop aus der Röhre

Ansonsten spricht sie aber sehr gut an (ride-by-wire) und lässt sich hervorragend schalten. Auch bei der Bremserei gab es nix zu mäkeln. Genauso wie auch beim Bonnie Sound. Sehr schöner, voller British-Twin-Sound. Überhaupt sind mit der kompletten Neuentwicklung der Bonneville wieder mehr Emotion, „Good Vibrations“ und Charakter in die Bonnies zurückgekehrt. Das war auch nicht anders zu erwarten – vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen im Markt, aber auch weil der Vorgänger in dieser Hinsicht wirklich nicht gut da stand.

Geringer Verbrauch zum knackigen Preis

Staunen musste ich, als wir dann vor der Mittagspause an die Tanke rollten ... Viel ging nicht rein, in den 12-l-Tank. Denn der Verbrauch liegt bei nur etwas mehr als vier Litern! Was gut ein Drittel weniger gegenüber dem Verbrauch des Vorgängermodells ist. Besonders gut ist es den Entwicklern gelungen, die Wasserkühlung zu verstecken. Die Schläuche wurden fast alle im Rahmen verlegt und der Wasserkühler selber ist kaum größer als manch Ölkühler. Überhaupt überzeugt das Design der neuen Bonneville. Die klassische Linie der Bonneville wird sehr schön weitergeführt und wirkt stimmig. Auch wenn man meiner Meinung nach auf die Irreführung mit der Vergaseranmutung hätte verzichten können. Das hat sie gar nicht nötig.

Was Triumph sehr gut mit Blick auf den wachsenden Markt der Modul-Bikes umsetzt, sind die Inspirations-Kits, die gleich ab Werk mit dazugebucht werden können. Die angebotenen Varianten sind: ein minimalistisches Scrambler‑Kit (2.390 Euro), ein etwas aggressiveres Brat-Tracker-Kit (1.730 Euro) für den Stadtverkehr sowie ein leger-sportliches Urban‑Kit (1.550 Euro). Weiterhin kann aus gut 150 Teilen aus dem Zubehörkatalog ausgewählt und weiter individualisiert werden.

Der Spaß kostet in Deutschland 8.900 Euro plus 450,00 Euro Nebenkosten. Aber das kann einem ein qualitativ hochwertiges Motorrad mit dem nötigen Klacks Charakter, das erfolgreich versucht, aus einem „Allerwelts-Segment“ herauszustechen, durchaus wert sein.

 

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Journal
Info & Credit
Veröffentlicht am: 
December 22, 2015
Autor: 
Christoph Blumberg
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