Kunst & Kultur
January 12, 2018

Cinemoto: Dreamracer

Ein Mal Rallye Dakar

„What is it that you have done in your life that makes you say: Yes, I’m happy of having had such a life?“ 

Diese Frage hat Christophe Barriere-Varju dazu getrieben, sein Leben über den Haufen zu werfen und einen Traum zu verfolgen, den er schon als kleiner Junge hatte. Die gefährlichste Rallye der Welt zu fahren: die Rallye Paris-Dakar, die seit 2009 in Südamerika ausgetragen wird. Der spannungsgeladene Film zeigt das legendäre Rennen aus der Perspektive eines Einzelnen: ohne Sponsoren, ohne Multi-Millionen-Dollar Team, noch nicht einmal mit einem Mechaniker. Nur ein Fahrer, ein Motorrad und ein Filmemacher auf dem anspruchsvollsten Terrain, auf das man sich mit einem Motorrad begeben kann.

Christophe ist in Westafrika aufgewachsen. Schon früh hat er sich mit dem Offroad-Virus infiziert und es als junger Motocross-Fahrer zu lokalem Ruhm gebracht. Doch mit seiner Jugend endete auch die Karriere als MX-Pilot. Die Realität holte ihn ein: Studium, Arbeit, Rechnungen zahlen. So verstrichen die Jahre, bis er sich dazu entschied, seinen Kindheitstraum zu verfolgen und sich der Herausforderung zu stellen, die sein Leben verändern sollte – einmal die Rallye Paris-Dakar bestehen.

Doch ohne das nötige Taschengeld wird er es noch nicht mal an den Start schaffen. Sponsoren? Fehlanzeige. Christophe muss die Startgebühr finanzieren, ein Motorrad finden, aufbauen und natürlich für das Rennen trainieren. Viel Zeit bleibt ihm dafür nicht. Wird er das nötige Geld auftreiben? Wird er die Rallye überhaupt durchstehen, wenn er keine Zeit zum Trainieren hat? Die Zeichen stehen gegen ihn – doch mit seiner unerschöpflichen Ausdauer geht alles auf und dem Flug nach Südamerika steht nichts mehr im Weg.

Mit dem Start der Rallye saugt einen der Film auf. Man fiebert mit dem Protagonisten mit, während er sich schier unlösbaren Aufgaben gegenübersieht. Christophe wächst an seinen Herausforderungen und noch nicht mal Fiambala, eine Etappe, von der er selbst sagt, dass sie hinter der Hölle liege, kann seinen Willen brechen. Dabei zeichnet Dream Racer ein wohltuend anderes Bild der Paris-Dakar. Die Zuschauer lernen viel über die einzelnen Etappen, sind Zeugen der Begeisterung, die in Südamerika für das Rennen herrscht, und können aus der Perspektive des Fahrers vom Sofa aus am Rennen teilnehmen.  

Dabei geht es im Film um viel mehr als um die Paris-Dakar und das Motorradfahren selbst. Wir alle haben Träume, aber viele bleiben Pläne eines Terminkalenders, der im Alltag keinen Platz findet. Dream Racer will das ändern und unterwandert wie ein Virus das Seelenleben des Zuschauers.

 

In einer Stadt, die nicht nur von einer extrem begrenzten Wohnraumsituation, sondern auch horrenden Mietpreisen geprägt ist, gestaltet sich die Suche nach einer geeigneten Bleibe zu einer wahren Odyssee. Nach gut zwei Jahren permanenter Ortswechsel, finden sie im Februar 2017 das richtige Objekt. Das Container Collectiv am Ostbahnhof hält einen alten Schiffscontainer bereit, der noch auf neue Mieter wartet. Hier, inmitten von Künstler-Ateliers Bars und Cafés, scheint endlich die richtige Umgebung für das kreative Schaffen am geliebten Zweirad gefunden. Der Platz in der neuen Werkstatt ist zwar extrem begrenzt und auch der komplette Neuaufbau einer Maschine für einen Kunden fordert ihnen einiges ab, dennoch schaffen es die Jungs ihren ersten Auftrag zufriedenstellend in die Tat umzusetzen.

Custom Passion

Kaum hat die hübsche SR 500 als Scrambler ihren Container verlassen, folgen auch schon die nächsten Projekte. Aktuell ist es eine Yamaha XS 1100, die sie zu einem leistungsstarken und dennoch  komfortablen Cruiser umgebaut haben – englisches Understatement á la Jaguar eben. Da darf eine Lackierung in British Racing Green natürlich nicht fehlen, ebenso Lenkerbänder aus Leder und der Tank einer amerikanischen XS 1100, der für eine schlankere Linie sorgt.

Im dritten Jahr ihres Bestehens hat sich das Kollektiv an die Arbeit mit und für Kunden gewöhnt:

"Es ist interessant und auf eine andere Weise fordernd mit Ideen und der Inspiration des Kunden zu arbeiten und jedem Projekt zudem die eigene Handschrift zu verpassen."

Dabei ist für sie jeder Umbau ein echte Herzensangelegenheit. Mit ihrer Detailversessenheit versuchen sie Unikate zu schaffen, die ihren Kunden ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Das mag zwar kitschig klingen, aber wer Wochen und Monate mit einer Maschine auf wenigen Quadratmetern in einem Container verbringt, der entwickelt einfach eine innige Bindung. So verwundert es kaum, dass ihnen so manch ein Abschied nicht ganz leicht fällt ‒ auch wenn das breite Grinsen zufriedener Auftraggeber für alle Mühen entlohnt.

Gelb, rot und schwarz stehen bei der Anschaffung zur Debatte, sowie etwas über 4.000 Euro. Nicht wenig Geld für den kleinmotorigen Flitzer, aber ausgerüstet mit Taucherbrille und Badehandtuch ist man damit der King an jedem Badeteich.

Journal
Info & Credit
Veröffentlicht am: 
January 12, 2018
Autor: 
Jan Zühlke
Fotos: 
Dreamracer
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