Portraits
January 15, 2019

Durch die Linse von … Amaury Cibot

Ob Langgabel oder Flat Tracker – der Franzose Amaury Cibot liebt alles auf zwei Rädern und setzt seine Leidenschaft dabei auch noch perfekt in Szene. Wir wollten mehr von ihm wissen und haben den sympathischen Fotografen zum Interview geladen.

Wie bist du zum Fotografieren gekommen und worum dreht sich dein künstlerisches Schaffen?

Ich bin Fotograf mit speziellem Fokus auf Autos und Motorräder. Das mache ich seit 2014. Schon im jungen Alter habe ich die Liebe zum Zweirad auf einem alten BMX entdeckt. Über Schotterwege und Waldwege zu bügeln und völlig verdreckt nach Hause zu kommen war das Größte! Aber zu dieser Zeit wartete ich sehnlichst auf meinen 14. Geburtstag, um endlich ein Moped fahren zu dürfen. Der Weg war also klar: BMX, Moped, Roller und dann, mit 19, begann die Motocross-Zeit mit meinen Freunden auf verlassenen Baustellen. Ich hatte eine YZ80 von 1984 und wir fuhren alles, was wir bekommen konnten. Zu diesem Zeitpunkt kaufte ich mir eine Kamera und hielt fest, was mir vor die Linse kam: Waffen, Motorräder, Drogen, Sex! Zumindest wünschte ich mir das, die Realität sah anders aus. Nachdem ich mir bei einem Sturz das Schlüsselbein gebrochen hatte, war erstmal Schluss mit lustig. Ich hörte mit dem Motorradfahren auf, fand eine Freundin, einen Job…

10 Jahre später, gefangen in einem Job der mir keinen Spaß bereitete, begann ich mich für Fotojournalismus zu interessieren. Ich erzählte meinem besten Freund Balthazar davon, der mich an seinen Vater verwies, einen erfolgreichen Fotografen. Dann begleitete ich Yan Morvan nach Deutschland zum Elefantentreffen, von hier an nahmen die Dinge ihren Lauf und ich wollte nichts anderes mehr machen.

Was war dein bisher größter Moment als Fotograf?

Für mich sind es die vielen Bekanntschaften während dem Reisen, die meinen Job so großartig machen. An zwei Personen bzw. Begegnungen möchte ich dabei ganz besonders erinnern, sie werden mir wohl nie aus dem Kopf gehen. Diese beiden waren Charb und Cabu, zwei der Karikaturisten der Satirezeitschrift Charlie Hebdo! Beide starben bei dem Angriff auf die Redaktion am 07. Januar 2015. Ich habe sie irgendwann im Jahr davor getroffen und einige wunderbare Minuten mit ihnen verbringen können. Beide zeichneten ein kleines Bild für mich, die jetzt beide über meinem Schreibtisch hängen! Traurige, aber sehr wichtige Erinnerungen! Mögen sie in Frieden ruhen.

Was war dein gefährlichster bzw. riskantester Moment beim Fotografieren?

Um ehrlich zu sein, bin ich nie große Risiken in meinem Job eingegangen. Damit meine ich, dass ich mich z.B. nicht in Kriegs-und Krisengebiete vorwagen würde, um das Grauen dort für die Welt festzuhalten. Das einzige Risiko, das ich immer wieder bereit bin einzugehen, liegt auf der Rennstrecke. Je näher man an der Action ist, desto besser wird das Foto, desto riskanter ist die Arbeit.

Woran arbeitest Du gerade?

Derzeit bin ich Teil eines Projekts, das sich “J’irai rider” nennt. Dabei geht es um ein paar Freunde, die gemeinsam auf Motorrädern spezielle Gegenden in Frankreich und Europa erkunden und Ausschau nach Leuten halten, die ihre Leidenschaften zum Beruf gemacht haben und so ihren persönlichen Weg Richtung Freiheit suchen. Dabei lassen wir nicht nur Fotos sprechen, sondern filmen auch kleinere Episoden, die auf 4h10.com zu sehen sind. Bis jetzt gibt es uns nur auf Französisch, aber wenn wir neue Partner gefunden haben, soll das Projekt größer angegangen werden.

Welche Verbindung hast du zum Motorrad?

Über viele Jahre hinweg hatte ich kein eigenes Motorrad, als dann aber alte Motorräder wieder “trendy” wurden, habe ich mir eine kleine CB125 von 1974 gekauft. Wenig später habe ich meinen großen Führerschein gemacht und mir eine Harley-Davidson Sportster gekauft. Heute habe ich auch noch einen Flat Tracker, mit dem ich regelmäßig in Hooligan-Classements bei Rennen in England teilnehmen. Außerdem besitze ich einen Chopper, weil ich hier meine Schrauber-Leidenschaft voll ausleben kann. Die Chopper-Szene fasziniert mich, weil es sie ohne die vielen Kreativen, die sie bauen, gar nicht erst gäbe. Im Gegensatz zu Cafe Racern, Scramblern, Flat Trackern, gibt es keinen Hersteller der Chopper anbietet. Wer einen will, muss ihn selber bauen oder sich bauen lassen.

Journal
Info & Credit
Veröffentlicht am: 
January 15, 2019
Autor: 
Moritz Weinstock
Fotos: 
Amaury Cibot
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