Custombikes
December 19, 2016

Ed Turner Motorcycles – Suzuki GSX 1100 // GSX 400

Unauffälligkeit ist ein Wort, das in dem Wortschatz von Karl Renoult offensichtlich nicht existent ist. Die Bikes des Ed-Turner-Motorcycles-Founder polarisieren mit voller Absicht, ohne den Blick für das Wesentliche zu verlieren. Im Begleitschreiben zu seinem aktuellen Projekt zitiert er Coco Chanel mit „La mode passe; le style reste.“ - obwohl Jean Paul Gaultier mit folgenden Worten passender erscheint: „My eccentricity became direction.“

Wieder folgt Karl mit dem Umbau einer GSX 1100 seiner kompromisslosen Prämisse der Radikalität, addiert mit der Exzentrik seiner Auftraggeber - und schrammt dabei hart an der Grenze zum Kitsch vorbei. Womit wir wieder bei Gaultier wären

Das geplante Doppel-Projekt nimmt mit der „GS-XY“ getauften GSX 1100 aus den 1980ern seinen Anfang. Doch wie realisiert man den männlichen Part – das XY im Namen deutet es bereits an – dieses Pärchen-Konzepts, ohne den Holzhammer zu bemühen und trotzdem die Leidenschaft für High-Fashion und Club-Fetisch erkennen zu lassen? Karls Wahl fiel auf schwarze Glatt- und Wildlederapplikationen sowie blankes Aluminium. Der Custom-Tank rückt, dank modifiziertem Rahmen, näher zum 1100ccm-Kraftpaket und trägt nicht unwesentlich zum kompakten Look bei, spart allerdings das Prollige aus. Einen Sinn für das Filigrane beweist Karl mit verzierten Bremsscheiben, die den Shop-Namen zieren und im Vorbeigehen die schwarzen Buell-Felgen aufwerten.

Und just in dem Moment, in dem diese Zeilen entstehen, trudelt das „Significant Other“-Bike ins Haus. Statt schwarz und Alu, regiert hier weißes Fake-Krokodil und rotes Wildleder, dabei ist die Basis wieder eine GSX. Nur werkelt hier anstelle des 1100ccm-Äquivalents, die kleinere 400er-Version und auch sonst hebt sie sich mit ihrer Präsenz deutlich von ihrem bulligen Pendant ab.

Sämtliche Details bei den Bikes, sei es perforierte und geschnürte Naturstoffe, Reißverschlüsse oder der zwiespältige Einsatz von Schädel nebst gekreuzten Knochen, sind effektiv eingesetzt ohne sich aufzudrängen und lassen klar die Intention beider Parteien erahnen.

Zwei polarisierende Maschinen, sicherlich. Aber langweilig kann jeder.

Gelb, rot und schwarz stehen bei der Anschaffung zur Debatte, sowie etwas über 4.000 Euro. Nicht wenig Geld für den kleinmotorigen Flitzer, aber ausgerüstet mit Taucherbrille und Badehandtuch ist man damit der King an jedem Badeteich.

Journal
Info & Credit
Veröffentlicht am: 
December 19, 2016
Autor: 
Oliver Schlegel
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