Reise
December 28, 2017

Mit Handschaltung zum Santeria-Ritual

Auf alten Harleys durch Kuba

Endlich sind wir in Havanna gelandet. Es ist ein Uhr morgens, heiß und alles dauert eine Ewigkeit. Die Straßen sind menschen- und autoleer, aber in unserem Bed & Breakfast werden wir erwartet und fallen todmüde nach einer lauwarmen Dusche in unsere Betten. Die Nacht ist kurz und Moskitos stürzen sich auf uns … wie in allen folgenden Nächten auch.

Nach dem Frühstück wollen wir unsere Motorräder übernehmen. Es ist warm und die Straßen sind voller Polizisten, da Barack Obama zwei Stunden später die gleiche Route fahren wird. Das Straßenbild scheint aus den 50ern zu kommen. Man sieht beinahe ausschließlich alte amerikanische Straßenkreuzer in mehr oder oft auch weniger gutem Zustand. Die Zeit scheint vor der kubanischen Revolution stehen geblieben zu sein.

Bei Fernando stehen unsere Harleys bereit. Die älteste ist eine Knucklehead von 1941, die jüngste eine rote Panhead, die als einzige eine normale Fußschaltung hat. Und natürlich das Knucklehead-Servicecar. Wir sind hin und weg, aber jetzt müssen wir erst mal lernen, mit Fußkupplung und Tankschaltung klarzukommen – und die Maschinen anzukicken. Neuland für uns alle. Noe nimmt die rote Pan und fühlt sich gleich wie zu Hause, Catherine das Servicecar, Petra die rosa Knuckle, Laura die goldene Pan und Louise die turkis-weiße Pan mit den Satteltaschen. Aber die Fußkupplung stellt sich doch als komplizierter heraus, als wir uns das so dachten. An sich wollten wir gleich aufladen und losfahren, aber Fernando drängt uns dazu, ein bisschen zu üben und erst am kommenden Morgen aufzubrechen. Wir machen eine kleine Tour am Meer endlang und gewöhnen uns an unsere Oldtimer. Das Fahrgefühl ist klasse, wenn auch die Bremsen an sich ihren Namen nicht verdienen.

Kickstarter und Pina Colada

Endlich geht es los, allerdings haben wir unsere Route schon umgeplant, da aufgrund der schlechten Straßen unser ursprünglicher Plan nicht umsetzbar erscheint. Unsere zwei Mechaniker Oiciruam und Servando werden uns auf der ganzen Tour begleiten. Wir brechen Richtung Vinales auf und wähnen uns schon drei Stunden Stunden später im Schaukelstuhl mit einer Pink Colada in der Hand auf der Terrasse eines alten Kolonialstilhauses. Von wegen. Nach etwa vier bis fünf Pannen kommen wir erst abends in Finales an und haben einige Schwierigkeiten, eine Unterkunft zu finden. Aber in Kuba ist nichts unmöglich und die Leute sind freundlich und hilfsbereit und wir finden drei Zimmer mit genügend Betten für alle. Allerdings sehr rudimentär mit reichlich Mücken und kalter Dusche. Ein abgebrochenes Kickstarter-Pedal wurde in einer kleinen “Werkstatt”, wenn man das so nennen kann, direkt an der Straße wieder angeschweißt.

Donnerstagmorgen geht es früh los zum Strand von Caio Jutias. Die Location ist noch ein kleiner Geheimtipp, weißer Strand mit Palmen, zwei kleine Hütten, bei denen man Kokosnüsse, kaltes Bier, Säfte, Pina Coladas und etwas zu essen kaufen kann. Das Meer ist türkis und warm und wir fühlen uns wie im Paradies. Wir verbringen den Tag entspannt im Schatten der Palmen und brechen gegen 18 Uhr auf, zurück nach Vinales. Die Straße ist wunderschön und wir gleiten mit unseren Harleys durch eine hügelige Landschaft im Abendlicht. Verkehrsschilder gibt es kaum bis gar nicht, dafür aber regelmäßig große Wertetafeln mit politischer Propaganda und Gemälden von Che Guevara am Straßenrand. In unserem Guesthouse essen wir auf der Terrasse zu Abend, die Nacht verschafft kaum Abkühlung und wir genießen es hier zu sein.

Am nächsten Morgen geht es zurück nach Havana, um die Rolling Stones zu sehen. Mit einigen technischen Problemen kommen wir gegen 13 Uhr in der Stadt an, parken die Motorräder und ziehen per Taxi los zum Konzert, das umsonst ist. Ein historischer Moment, als Mick Jagger und seine Jungs um halb neun auf der Bühne erscheinen. Keith Richards ist unschlagbar gut, die Stimmung kocht, es ist heiß und laut, wie es eben sein soll. Wir lesen später, dass wir 400.000 auf dem großen Rasen sind. Als nach zwei Stunden die Lichter ausgehen, fragen wir uns, wie das die Stones bei Ihrem Alter machen … uns tun die Füße vom Tanzen dermaßen weh. Aber welch ein Konzert, wenn man bedenkt, dass die Stones vor kurzem in Kuba noch verboten waren.

Vom Stones-Konzert zur Santeria-Zeremonie – die ganze Story des Kuba-Trips gibt es in Craftrad N°4 nachzulesen. Einfach hier klicken und bestellen.

Journal
Info & Credit
Veröffentlicht am: 
December 28, 2017
Autor: 
Redaktion
Newsletter abonnieren und immer auf dem neusten Stand sein:
Willkommen in der CRAFTRAD Familie!
Oops! Da ist etwas schief gelaufen. Prüf bitte noch einmal deine Eingaben.