Kunst & Kultur
March 21, 2018

House of Machines in Kapstadt

Der gute Geist der neuen Custom-Welt

Paul van der Spuy ist der Dare Jennings Südafrikas. Jennings hat mit Deus ex Machina das Image-kräftigste Unternehmen der Custom-Szene hochgezogen. Die Strategien hat er in der Modeindustrie gelernt. Wer hätte nicht gerne eines seiner Mambo-Shirts? Paul van der Spuy kommt auch aus dem Modebereich. Er erfand die Marken Carducci, Frank B Earnest und Wylde Oscar. Jetzt hat er sein Universum um Motorräder herum aufgebaut. Gefahren hat er sie schon immer, Norton und Matchless in den Zeiten, in denen Importe wegen des gutgestellten Rands spottbillig waren. Aber er musste erst die Luft der neuen Custom-Welt schnuppern, um auf die Idee zu kommen, seine Motorradliebe zum Geschäft zu machen. Mit der Modemarke Whitecollarbluecollar grätscht er gekonnt in die Premiumarbeitsbekleidungsmode, retro und fair trade produziert in Kapstadt. Er selbst trägt gerne blauweiß-gestreiftes Twillhemd unter blauweiß-gestreifter Twilljacke.

Den Kern seiner Unternehmungen bildet das House of Machines, das Mutterhaus in Kapstadt und die Ableger in Los Angeles und Hokkaido. In dem dunklen Pub in Kapstadts Zentrum kann man tagsüber doppelcremigen Kaffee ordern und nachts zu Bier und ernsthafterem Alkohol Livemusik ohne Rock'n'Roll-Beschränktheit hören, sechs Tage die Woche. Für den Old Fashioned wird ein Holzbrett angeschmurgelt. Die Gläser werden über den Qualm gestülpt, damit er den Bourbon aromatisiert. Die Aura des Motorradfahrens ist wichtiger als das Motorradfahren selbst. Im Schummerlicht des House of Machines sonnen sich genauso viele Frauen wie Männer. Es ist Lifestyle, aber nicht an den Haaren herbeigezogen, sondern aus der vollen Lebenserfahrung von Paul van der Spuy geschöpft.

Genau hier, im House of Machines in Kapstadt, haben die Designer von BMW die Bierkrüge gekreuzt und die R nineT ausgeheckt. „Der eine war Skandinavier, glaube ich“, erinnert sich Paul dunkel. Es steckt also etwas vom House of Machines in dem Motorrad, das der Professionalisierung der neuen Custom-Szene den Turbo-Boost gegeben hat. Eines der R-nineT-Modelle gehört immer zum Interieur. Bei der Eröffung des House of Machines in LA wurde die Kollaboration mit BMW offiziell. Paul van der Spuy selbst ist bis vor einem halben Jahr eine BMW K 1300 GT gefahren, bis sie bei einem Unfall zerlegt wurde – und er gleich mit. Ihm wurde das linke Bein abgerissen. Überlebt hat er nur, weil just eine Ambulanz an der Unfallstelle vorbeikam und die offene Arterie abband. Ein halbes Jahr später überlegt Paul schon wieder, welches Motorrad er als nächstes kaufen sollte. „Ich fühle mich wie wiedergeboren. Ich bin sechs Monate alt!“ Die entsprechende blauäugige Neugier und die unverbrauchten Energien hat er auf jeden Fall. Wer mit ihm spricht, sieht klar den Moment vor sich, an dem die House-of-Machines-Filialen die Hard Rock Cafes verdrängt haben werden.

Journal
Info & Credit
Veröffentlicht am: 
March 21, 2018
Autor: 
Jan Joswig
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