Portraits
July 20, 2018

Durch die Linse von … Joe Dilworth

Wenn man versuchen würde aufzulisten wen Joe Dilworth schon alles fotografiert hat, wäre es sicherlich einfacher zu schreiben, wer fehlt, so endlos lang erscheint die Liste. Neben Musikern wie Nick Cave, John Lydon und Joe Strummer standen auch Bands wie The Cramps, Franz Ferdinand oder Manic Street Preachers bereits vor seiner Linse.

Aber nicht nur Musiker fanden den Weg auf seinen Film. So bereiste er schon als Jugendlicher die Rückseite des Eisernen Vorhangs oder war am Set von Full Metal Jacket dabei. Wenn Joe mal nix mit Musik oder Fotografie zu tun hat, erkundet er mit seiner BMW R60/5 von 1972 die entlegensten Orte Europas, natürlich nicht ohne Kamera.

Wie bist du zum Fotografieren gekommen und worum dreht sich dein künstlerisches Schaffen?

Ich wollte schon immer unbedingt Bilder machen und habe die Leute um mich herum so lange genervt, bis sie mich ließen. Ich bin früher schon immer viel gereist, um Fotos für meine eigenen Projekte oder Auftragsarbeiten für Musiker, Magazine und Plattenfirmen zu schießen.

Engines stop running, but I have no fear 'Cause London is drowning, and I, I live by the river
Engines stop running, but I have no fear' Cause London is drowning, and I, I live by the river
© Joe Dilworth

Was war dein bisher größter Moment als Fotograf?

Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre arbeitete ich für das Musikmagazin Melody Maker und bekam so meinen Namen auf die Liste ihrer Fotografen. Da Musikmagazine meine ganze Jugend geprägt hatten und wichtig für mich waren, war der Moment, als ich die erste Ausgabe mit einem Titelbild von mir in der Hand hielt, bis heute sicherlich der größte.

(Anm. d. Red.: Melody Maker wurde 1926 in England gegründet und war die älteste Musikzeitschrift der Welt. 2000 fusionierte das Magazin mit dem NME, welcher in diesem Jahr seine Printausgabe einstellen musste.)

Was ist das Beste an deinem Job?

Sicherlich der Moment, wenn du ein Bild aus der Entwicklung nimmst und feststellst, dass es besser aussieht, als du es dir eigentlich vorgestellt hast. Es passiert so viel, wenn man ein Bild macht, dass man gar nicht bewusst kontrollieren kann, dass es ein Eigenleben annimmt.

Hast du ein Vorbild? Wenn ja, wen?

Steve Pyke, denn er war der Erste, den ich kannte, der sich selbst Fotograf nannte. Ich liebte seine Arbeiten und kaufte mir seinetwegen meine erste Rolleiflex, da dies seine Standardkamera war.

Red Hot Chili Peppers © Joe Dilworth

Welche Verbindung hast du zum Motorrad?

Ich fahre und besitze Motorräder, seit ich 18 bin, denn da ich in London aufwuchs, war es dort der einfachste Weg sich fortzubewegen. Da man alles, was teuer war, nicht auf der Straße stehen lassen konnte, fuhren viele von uns alte und billige Motorräder aus Osteuropa. Mit ein bisschen Schrauberei und gebrauchten Einzelteilen bekamst du die alten MZs für kleines Geld relativ einfach zum Laufen.

Früher MZ und heute immernoch?

Fast. In Berlin fahre ich eine BMW R60/5 von 1972, die als Testmodell für die englische Presse genutzt wurde, als das Modell auf den Markt kam. Vom Vorbesitzer 2000 gekauft, begleitet sie mich mit aktuell rund 200.000 km auf all meinen Reisen durch Europa.

In London stehen in der Tat noch ein paar MZ 250 in der Garage: eine Trophy Sport, eine ES 250/2 und eine TS 250/2 von der ostdeutschen Polizei, welche der Vorbesitzer in den 90ern aus Leipzig mit nach London brachte und sie mir überließ, als er wieder nach Deutschland zurückkehrte.


Welche größeren Projekte stehen bei dir in nächster Zukunft an?

Aktuell arbeite ich an einem Bildband, der im nächsten Jahr erscheinen soll und werde mit meiner Band Cavern of Anti-Matter im Herbst auf Tour gehen.

Mehr zu Joe Dilworth und seiner Arbeit findest du hier: www.joedilworth.com oder auf Instagram

To act on a bad idea is better than not to act at all.
© Joe Dilworth

Journal
Info & Credit
Veröffentlicht am: 
July 20, 2018
Autor: 
Julian von Zittwitz
Fotos: 
Joe Dilworth
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