Reise
September 13, 2018

Jüngste Weltumrundung

Mit 22 Jahren auf dem Motorrad um die Welt

Jüngste Weltumrundung

Henry Crew ist Engländer und aktuell auf Weltumrundungs-Tour. Im April diesen Jahres ist er aufgebrochen, um den bestehenden Rekord von 23 Jahren und 365 Tagen, die sein Vorgänger jung war, als er die Welt auf dem Motorrad umrundete, zu brechen. Doch neben der Titeljagd, hat Henry’s Reise auch einen tieferen Sinn. Als Mitglied der Movember-Foundation möchte er während seiner Reise Spenden für den guten Zweck sammeln – und dafür Schnauzer tragen. Schöne Sache; und auch eine gute Methode um den Eltern, Verwandten und Bekannten, mitunter auch den Sponsoren das selbst gewählte Abenteuer schmackhaft zu machen. 


Viel ist seit seinem Aufbruch passiert und auch wenn es Henry schwer fällt, den Blog, die Social-Media-Kanäle und alles was dazu gehört während der Reise regelmäßig zu bespielen, so hat er es doch geschafft die spannendsten Begegnungen und Erlebnisse festzuhalten. Wir haben uns die Mühe gemacht, einen Auszug aus seiner bisherigen Reise zusammenzustellen, garniert mit den schönsten Fotos, als Mittel gegen Fernweh!

England ‒ Österreich

Über 1000 Meilen und 5 Länder liegen seit seinem Aufbruch aus England und der Abschiedsparty beim Bike Shed in London hinter ihm. Bitterkalte Nächte, lange Fahrten im strömenden Regen und jetzt endlich, angekommen in Italien: 20 Grad und Sonnenschein. Am dritten Tag seiner Reise ist Henry bereits am Mont Blanc von wo es aus weiter Richtung Bologna geht. Hier lädt ihn Ducati zu sich ein, denn Henry’s Motorrad der Wahl ist eine Desert Sled. Nach den ersten großen Tagesetappen ist die Freude über ein anständiges Hotelzimmer groß. Neue Kraft kann getankt werden, bevor es nach einer Werksbesichtigung am nächsten Tag weitergeht.

Kurzer Stop in Italien

In Windeseile geht es durch Italien. Kaum Zeit für ein paar Touristenfotos bleibt. Abends ist er bereits in Slowenien. Hier trifft Henry auf Jon, einen Einheimischen, mit dem er vorab bereits Kontakt aufgenommen hat. Es gibt Bier und gutes Essen, bevor Pläne für die nächsten Tage geschmiedet werden: Besuch der Hauptstadt Sloweniens, Ljubljana, und von dort aus weiter zum Bleder See, nahe der österreichischen Grenze.

Am Bleder See in Slowenien


Hier trennen sich ihre Wege und für Henry geht es über Alpenpässe und kurvige Landstraßen weiter Richtung Ungarn.  

Österreich - Kasachstan

Auf Österreich folgt Budapest und als auch Ungarn hinter ihm liegt, ist er schon in der Slowakei. Genauer: Košice. Hier trifft er auf Viktor, der ihn zu sich einlädt und in die Welt der Zigeuner einführt. Tiefster Balkan. Henry traut seinen Augen kaum, als er am nächsten Tag Lunik 9 sieht, ein Areal aus leerstehenden Wohnblöcken, die über die Jahre zur örtlichen Müllhalde mutiert sind.

“Ich glaube am meisten hat mich schockiert, dass solche Armut so nah an Zuhause existiert, innerhalb der EU.”

Es geht weiter. In Polen fühlt sich Henry schon besser. Nach einer Nacht umgeben von Wäldern an einem Großen See in der Nähe von Lublin, folgt tags drauf die Einreise in die Ukraine. Doch die Kopie der Fahrzeugregistrierung reicht den Beamten nicht, also muss er warten, bis Ducati das Original schickt. Zeit für einen Bikeservice in Warschau. Am nächsten Tag sind die Papiere komplett und die Einreise verläuft problemlos. Jetzt heißt es wieder Kilometer abspulen bis ...

Russland! Auch hier endlose Weiten und schnurgerade Straßen. Die erste Nacht verbringt Henry in Kursk. Am nächsten Tag geht es weiter nach Woronesch in der Oblast, wo er Alexander kennenlernt, einen Motorradfahrer, der an einer Ampel neben ihm anhält und fragt, ob er einen Kaffee will. Das Angebot kommt zum richtigen Zeitpunkt und der neu gefundene Freund stellt sich als äußerst hilfreich heraus. Nicht nur organisiert er ein Zimmer in einem der wenigen Hotels sondern arrangiert auch, dass das Motorrad sicher in der Hotelgarage geparkt werden darf. Ein bisschen Sightseeing gibt's ebenfalls gratis on Top.

Sightseeing mit Alexander in Woronesch

Kaum Zeit zum Erholen, am nächsten Morgen steht das Erreichen der Grenze zu Kasachstan an. Fast schlagartig ändert sich mit dem neuen Land die Landschaft. Aus den großen Agrarflächen Russlands werden sandige Steppen mit wenig Vegetation und vielen Kamelen. Monotonie, schon wieder, schön irgendwie, aber auch nur für einen Tag. Henry hat mehrere davon vor sich. Aus der Steppe wird Wüste und erst als Almaty vor der Tür steht, kehrt Farbe zurück ins Landschaftsbild. Berge türmen sich auf, Schnee liegt auf ihren Spitzen.

Irgendwo in Kasachstan
In den Bergen kurz vor Almaty
Blick auf Almaty
Geländeausritt in Almaty
Felszeichnungen in Almaty


Kasachstan - Iran

Almaty wird zum Daueraufenthalt. Henry’s Ducati braucht eine neue Kupplung und neue Ventile und obwohl der örtliche Händler sein Bestes gibt, dauert es einen knappen Monat, bis die Desert Sled wieder fit ist.

Es gibt schlimmere Orte zum Verweilen. Henry lernt viele Leute kennen und mit ihnen Stadt und Umgebung. Als die neuen Teile verbaut sind, kann es weitergehen. Anders als geplant, muss die Route durch Usbekistan und Turkmenistan allerdings umfahren werden, denn für das letztere der beiden Länder hat Henry noch immer keine Antwort auf seinen Visumsantrag erhalten. Konkret heißt das: über 3.000 Kilometer Umweg, zurück und ans Kaspische Meer, von wo er es per Fähre nach Baku, Aserbaidschan versuchen will.

Jetzt ist das Glück wieder mit ihm. Er erreicht Aqtau, eine Stadt im Westen Kasachstans genau zum richtigen Zeitpunkt. Richtiger Zeitpunkt deshalb, weil es keinen Fahrplan für die Fähren nach Aserbaidschan gibt und genau jetzt ein Boot für die Überfahrt bereit steht. Nach Tagen auf dem Schiff ist endlich wieder Land in Sicht. Kaum in Baku angekommen, ruft auch schon der Iran.

Iran - Indien

Es ist heiß. Sehr, sehr heiß. Die Temperaturen in den Wüsten im Iran klettern auf bis zu 50 Grad Celsius. Durst und Hitze zehren an den Kräften und auch finanziell ist Henry ausgebrannt, als er die Grenze zu Pakistan erreicht. Geld kann man im Iran nicht abheben, also muss er hoffen, dass es im Nachbarland bald die Möglichkeit dazu gibt. Am Grenzübergang ist es ruhig. Wenige LKWs warten darauf in den Iran gelassen zu werden, nach Pakistan will außer Henry niemand. Als sämtlicher Papierkram erledigt ist, wird ihm mitgeteilt, dass die Beamten auf der anderen Seite heute früher Schluss gemacht haben – weil Fastenzeit ist. Also muss er bis zum nächsten Tag warten. Glücklicherweise sind die Grenzer auf iranischer Seite freundlich und gewähren ihm sogar, in ihrem Büro zu übernachten. Gesagt, getan. Nach weiteren langen behördlichen Prozessen am nächsten Tag, kann die Fahrt fortgesetzt werden. Diesmal allerdings mit polizeilicher Begleitung.

Isfahan im Iran

Gemeinsam mit seinen bewaffneten Freunden verlässt er die Grenze Richtung Quetta. Fotos wird es von nun an keine mehr geben, denn der Schutz hat nichts mit Touristenführern zu tun. Nachdem Henry das Tempo nicht mehr selbst bestimmen kann, schaffen sie es nur nach Dalbandin, wo er in einem Gefängnis den nächsten Beamten übergeben wird. Hier wird er heute auch nächtigen, doch anstatt in einer Zelle, darf er auf dem Dach schlafen und den Sternenhimmel beobachten.

“In dieser Nacht schlief ich auf dem Dach des Gefängnisses und musste darüber nachdenken, wie zur Hölle ich hier hingekommen bin , welch verrückten Wechsel an Ereignissen ich doch erlebe”

In Sukkur gelingt es ihm dann, den Polizeischutz abzuschüttel. Nun ist wieder Platz zum Atmen. Von dort geht es weiter nach Multan. Trotz seiner knapp zwei Millionen Einwohner und der Tatsache, siebtgrößte Stadt Pakistans zu sein, ist die Weltoffenheit beschränkt. Jedes der Hotels, das Henry abklappert, verschließt ihm als Ausländer die Türen. Einzige Option, das 5 Sterne Hotel der Stadt, hier gewährt man ihm Einlass.

Palast in Isfahan

Und doch ist Henry auch von Pakistan begeistert. Zu keiner Sekunde fühlt er sich unsicher – im Gegenteil. Die Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit der Menschen ist enorm, er fühlt sich wohl und gerne würde er länger bleiben. Leider bleibt ihm allerdings auch hier wenig Zeit und so muss er ohne Islamabad oder den pakistanischen Teil der Himalayas gesehen zu haben, weiter.

Indien steht als nächstes auf dem Plan, doch davor ruft das Himalaya-Gebirge. Wer wissen will, wie es weitergeht, der kann Henry's Reise auf Instagram und seinem Blog verfolgen und ihn direkt beim SPENDENSAMMELN unterstützen! Wir wünschen weiterhin: Gute Reise!


Im Himalaya Gebirge auf dem Weg nach Indien
Journal
Info & Credit
Veröffentlicht am: 
September 13, 2018
Autor: 
Moritz Weinstock
Fotos: 
Henry Crew
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