Portraits
January 18, 2018

Jutta Kleinschmidt ‒ Die einzige Siegerin der Rallye Dakar

Im Interview mit CRAFTRAD

Thierry Sabine hat die Dakar 1978 ins Leben gerufen. Seine Idee: Eine Rallye, die Amateure wie Profis aufs Äußerste herausfordert. Wie haben Sie diese besondere Stimmung wahrgenommen, als Sie das erste Mal selbst daran teilnahmen?

Ich habe als Amateurin angefangen und kenne daher alle Facetten der Rallye. Als ich das erste Mal von der Rallye Dakar hörte, dachte ich: ‘Okay, das ist nun eines der letzten großen Abenteuer, die man heute noch erleben kann.’ Diese Rallye mitzufahren, diese Rallye zu Ende zu fahren, das ist der größte Traum eines jeden Amateurs. Da geht es weniger um die Platzierung als um das Bewältigen der Strecke. Als ich damals abends im Biwak ankam, saß ich erschöpft im Sand mit Ari Vatanen, trank Kaffee aus Plastikbechern. Den anderen ging es auch nicht viel besser als mir selbst. Das war das Schöne: Berühmtheiten, Amateure, Profis – alle saßen im selben Boot, beziehungsweise, na ja … Dreck! 

Sie sagen „damals“. Hat sich die Rallye heute so sehr verändert?

Heute ist alles ein bisschen anders. Die Strecke in Südamerika ist viel bevölkerter, die Fahrer steigen abends schnell in einem Hotel ab. 

Irgendwann gehörten Sie dann selbst zu den Profis...

Und dann verschoben sich die Rollen. Als Profi hat man es sehr viel einfacher, weil man eine Betreuung im Rücken hat. Die bringt das Fahrzeug wieder in Schuss, massiert einem den verspannten Nacken. Man bekommt ein bisschen mehr Schlaf als ein armer Amateur, der nachts noch seine Karre reparieren muss.

Als Sie angefangen haben, gab es vor Ort weder Satellitentelefon noch GPS geschweige denn Handys. Inwieweit haben diese technischen Errungenschaften die Rallye verändert?

Die Technik hat das Ganze vor allem sicherer gemacht. Man ist überwachter. Früher gab es noch nicht mal einen Kompass, der auf dem Motorrad funktioniert hätte. Als Orientierung hatte man nur die Sonne und die Uhrzeit. Wer sich verfahren hatte, hatte dementsprechend Angst, wirklich verloren zu gehen.

Dann kam als erstes das GPS?

Das war revolutionär! Man wusste erstmals, wo man überhaupt ist! Der Veranstalter konnte mitverfolgen, wo die einzelnen Fahrzeuge herumfuhren. Das wurde auf Warnsysteme ausgeweitet. Wenn sich ein Fahrzeug nicht mehr bewegte, konnte man darüber kommunizieren. Davor mussten die Veranstalter die Fahrer teils tagelang in der Wüste suchen.

Was hat sich noch mit der technischen Entwicklung verändert?

Als die Dakar noch in Afrika war, fuhren wir stundenlang, ohne eine Menschenseele zu sehen. Ging’s durch ein Dorf, musste man erst wieder einen Schalter im Kopf umlegen: Hier gilt 30 oder 50 Km/h. Das haben nicht alle so ernst genommen. Wenn man aber dann eine Strafe bekommt, weil das GPS die Geschwindigkeit misst, sieht das gleich anders aus. Vielleicht eine der sinnvollsten technischen Erneuerungen.

Ist durch den technischen Fortschritt auch ein Stück weit das Abenteuer bei der Dakar verloren gegangen?

Ein Stück weit, ja. Aber auf der anderen Seite muss ich sagen: Dadurch hat es mir viel mehr Spaß gemacht. Sich ständig zu verfahren, ging extrem an die Nerven. Mit GPS wurde das Fahren viel entspannter, ich konnte die Landschaft genießen. Und seien wir mal ehrlich: Abenteuer ist dennoch genug geblieben!

Wie zu viel Geld und zu wenig Risikobewusstsein die Rallye Dakar gefährden, erklärt Jutta Kleinschmidt im weiteren Verlauf des Interviews. Den ganzen Artikel gibt es in CRAFTRAD N°3 nachzulesen, hier kannst du die Ausgabe bestellen.

Journal
Info & Credit
Veröffentlicht am: 
January 18, 2018
Autor: 
Redaktion
Newsletter abonnieren und immer auf dem neusten Stand sein:
Willkommen in der CRAFTRAD Familie!
Oops! Da ist etwas schief gelaufen. Prüf bitte noch einmal deine Eingaben.