Portraits
February 14, 2018

Kennste schon ... Bernhard Elflein

Der Träumer mit den ölverschmierten Händen. Bernhard Elflein lebt den Mythos Motorrad von der Kutte bis zum Langgabel-Chopper. Seine Berliner Werkstatt Herzbube Motorcycles sucht jeder auf, der nicht nur technische Hilfe für sein altes Motorrad braucht, sondern auch auf einen Stil Wert legt, der nur durch echte Hingabe entsteht.

Welche Eigenschaft bewunderst du am Meisten an Menschen?

Opferbereitschaft. Die kompromisslose Hingabe an eine Sache von der man fest überzeugt ist

Wie würdest du deinen Stil beschreiben?

Leidenschaftlich

Was ist das Beste daran, im 21. Jahrhundert zu leben?

Auf die Vergangenheit blicken zu können und zu wissen das sich alles wiederholt.

Das Beste, was man mit Geld machen kann?

Es ausgeben. Geld entspannt, Kreativität bedarf der Spannung

Wenn schon konsumieren, dann …

Bewusst! Warum will ich das, was ich begehre? Es spricht nichts dagegen Leere mit Objekten zu füllen, aber es zu tun weil andere es einem vorgeben, das schon.

Welche Fernsehserie sollte wieder ausgestrahlt werden?

PS-Feuerreiter

Welche/n aktuelle/n Schauspieler/in würdest du gerne auf einem Motorrad sehen?

Vincent Gallo in einer Verfilmung von Jim Jarmush nach einer Drehbuchvorlage von Hunter S. Thompson

Würdest du aufs Motorradfahren verzichten, um das Gletschereis zu retten?

Verzicht ist der Schlüssel zur Aufrechterhaltung der Menschheit. Ich verzichte gerne und bewusst auf Fleisch, Alkohol, Drogen und unnötige Konsumartikel. Auf das Motorradfahren jedoch nicht. Leben heißt Raum einnehmen. Das auf ein gesundes Maß zu bringen ist die Herausforderung, nicht eine Sache gegen eine andere auszutauschen.

Welche drei Begriffe fallen dir als Erstes ein, wenn du ans Motorradfahren denkst?

Freiheit, Grenzerfahrung und Einsamkeit

Steht das Motorrad im Zentrum deines Lebens?

Motorräder sind der konstanteste Teil meines bisherigen Lebens

Welches alte Motorrad hätte ein Revival verdient?

Keines. Mit einem Revival würde man das zerstören, was man versucht zu erhalten. Bsp. Yamahas SR500. Dieses Motorrad hatte für mich und meinen damaligen Freundeskreis einen hohen Stellenwert. Wenn man dieses Gefühl jedoch mit der neu aufgelegten SR400 an eine neue Generation von Motorradfahrer weitergeben möchte, wird man scheitern. Die Tatsache, dass man an den 2J4 SRs Hand anlegen musste, um sie am Leben zu halten bzw. schneller zu machen, begründete den Mythos den dieses Modell für meine Generation darstellt. Eine Neumaschine, die funktioniert und aus Garantiegründen das Auseinandersetzen mit der Technik überflüssig macht oder verbietet, entkoppelt den Mensch von der Maschine und verhindert dadurch den Mythos.

Was ist das Paradies auf Erden für Motorradfahrer?

Das Paradies für Motorradfahrer wird überwiegend im Geist gebildet. Es besteht aus einem Motorrad, das man liebt – unabhängig vom Fabrikat, Wert oder Hubraum. Die Tatsache Zeit zu haben und sich von Zwängen frei machen zu können, sowie Außentemperaturen, die einem behagen. Außerdem die Verfügbarkeit einer gewissen Geldmenge, die man zur Deckung seiner Bedürfnisse benötigt. Freie Straßen spielen auch eine wichtige Rolle und eine inspirierende Kulisse. Das Paradies für Motorradfahrer sieht für jeden anders aus und befindet sich irgendwo zwischen Greifbar oder Illusion.

Schaut mal auf seiner Seite vorbei, da gibt's spannendes zu entdecken!

In einer Stadt, die nicht nur von einer extrem begrenzten Wohnraumsituation, sondern auch horrenden Mietpreisen geprägt ist, gestaltet sich die Suche nach einer geeigneten Bleibe zu einer wahren Odyssee. Nach gut zwei Jahren permanenter Ortswechsel, finden sie im Februar 2017 das richtige Objekt. Das Container Collectiv am Ostbahnhof hält einen alten Schiffscontainer bereit, der noch auf neue Mieter wartet. Hier, inmitten von Künstler-Ateliers Bars und Cafés, scheint endlich die richtige Umgebung für das kreative Schaffen am geliebten Zweirad gefunden. Der Platz in der neuen Werkstatt ist zwar extrem begrenzt und auch der komplette Neuaufbau einer Maschine für einen Kunden fordert ihnen einiges ab, dennoch schaffen es die Jungs ihren ersten Auftrag zufriedenstellend in die Tat umzusetzen.

Custom Passion

Kaum hat die hübsche SR 500 als Scrambler ihren Container verlassen, folgen auch schon die nächsten Projekte. Aktuell ist es eine Yamaha XS 1100, die sie zu einem leistungsstarken und dennoch  komfortablen Cruiser umgebaut haben – englisches Understatement á la Jaguar eben. Da darf eine Lackierung in British Racing Green natürlich nicht fehlen, ebenso Lenkerbänder aus Leder und der Tank einer amerikanischen XS 1100, der für eine schlankere Linie sorgt.

Im dritten Jahr ihres Bestehens hat sich das Kollektiv an die Arbeit mit und für Kunden gewöhnt:

"Es ist interessant und auf eine andere Weise fordernd mit Ideen und der Inspiration des Kunden zu arbeiten und jedem Projekt zudem die eigene Handschrift zu verpassen."

Dabei ist für sie jeder Umbau ein echte Herzensangelegenheit. Mit ihrer Detailversessenheit versuchen sie Unikate zu schaffen, die ihren Kunden ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Das mag zwar kitschig klingen, aber wer Wochen und Monate mit einer Maschine auf wenigen Quadratmetern in einem Container verbringt, der entwickelt einfach eine innige Bindung. So verwundert es kaum, dass ihnen so manch ein Abschied nicht ganz leicht fällt ‒ auch wenn das breite Grinsen zufriedener Auftraggeber für alle Mühen entlohnt.

Gelb, rot und schwarz stehen bei der Anschaffung zur Debatte, sowie etwas über 4.000 Euro. Nicht wenig Geld für den kleinmotorigen Flitzer, aber ausgerüstet mit Taucherbrille und Badehandtuch ist man damit der King an jedem Badeteich.

Journal
Info & Credit
Veröffentlicht am: 
February 14, 2018
Autor: 
Jan Joswig
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