Portraits
January 11, 2018

Kennste schon ... Martien Delfgaauw

Berham Customs haben mit ihrem Custom-Hybrid "Shiny Harry" mal locker vom Hocker den Sprint International 2016 beim Glemseck 101 gewonnen. Im Interview erzählt uns Gründer Martien Delfgaauw mehr über sich und seine Leidenschaft zum Motorrad.

Wie würdest du euren Stil beschreiben?

Baddabing-baddabang-baddabong. Einer macht Baddabing, der andere macht Baddabang, dann macht’s Baddabong.

Wenn du dir mal richtig was gönnen willst, was machst du dann?

Ich gönne mir das Leben, dass ich lebe. Insofern habe ich selten das Bedürfnis, mir obendrein etwas zu gönnen. Auf ein Motorrad steigen und ein paar Tage wegfahren. Gutes Werkzeug. Zur Geburt unserer ersten Tochter haben wir uns sechs Wochen Australien im Camper-Van gegönnt. Ich bin gern in der Welt unterwegs.

Welches Gesetz würdest du unbedingt reformieren?

Die Schwerkraft. Sie sollte adaptiv sein.

Welches neue Motorrad ist am zukunftsweisendsten?

Ich finde, es gibt einige beeindruckende, überraschende Maschinen. Eine mit der totalen Heureka-Aura fällt mir spontan aber nicht ein.

Zu deinem Glück fehlt dir noch …

Mehr Ausgeglichenheit und die Fähigkeit, mich auch mal mit dem Status Quo zufrieden zu geben.

Warst du jemals Teil einer Jugendbewegung?

Eine zeitlang war ich wohl Scooterboy. Wir fuhren auf Treffen, hatten einen Club mit Rückenpatch und immer ölige Finger. Mein Fahrzeug war ein zusammengesägter Vespa-Chopper mit verlängerter Lenksäule und getuntem 200ccm-Motor. Die noch unbehaarte Brust wurde mit ärmellosen Holzfällerhemden bedeckt, dem ersten Bartflaum Koteletten abgerungen. Auf dem Kopf ein Flat, Psychobilly war unsere Musik. Ich merkte dann aber recht schnell, dass es nicht mein Ding ist, mich über eine Gruppenzugehörigkeit zu definieren. Schlussendlich bringt es ja die gleiche Unfreiheit, der man entfliehen wollte, nur anders verpackt. Geblieben ist die Begeisterung für die Musik, die mich damals bewegte: 60ies Garage Rock, Punk, Rockabilly/Psychobilly, EBM, aber auch Northern Soul, Blaxploitation und gelegentlich mal ein depressiver Gitarrenbarde. Heavy Metal, Rap und Techno – damit hatte ich nie was am Hut.

Hast du ein Lebensmotto?

FULLTHROTTLELIFE. Ich hatte schon immer mehr Angst davor, eines Tages zurückzublicken und zu bedauern, etwas nicht getan zu haben, als vor Überforderung oder Burnout. Also versuche ich, ganz viel in meinem Leben unterzubringen und mich dabei nicht von Vernunft und Sorgen leiten zu lassen, sondern von Herzblut und Bauchgefühl. Das führt nicht unbedingt zu ausreichend Schlaf, gesicherter Altersvorsorge oder einem abbezahlten Reihenhäuschen, aber es bewahrt vor langfristigem Frust und der Frage nach dem Sinn des Lebens.

Steht das Motorrad im Zentrum deines Lebens? Oder was sonst?

Motorrad ist Liebe. Gestalten ist Leidenschaft. Ich schraube an Mopeds, seit ich 15 bin. Vorher war’s das Fahrrad. Insofern gehe ich mal davon aus, dass ich das machen werde, bis ich unter die Erde komme. Ein Leben ohne Motorräder kann ich mir nicht vorstellen. Aber mein eigentlicher Antrieb ist die Lust am Gestalten. Ich arbeite seit knapp 20 Jahren auch als Texter und Konzeptioner in Werbung und PR, vielleicht mach' ich irgendwann auch Möbel, schreibe ein Buch oder lerne Häkeln. Momentan bin ich gemeinsam mit Marvin Diehl von KRT Framework an der Serienproduktion von Customparts für BMW Zweiventiler. Solange es darum geht, eine Idee zu haben und die umzusetzen, ist es mein Ding.

Was ist das Paradies auf Erden für Motorradfahrer?

Chapman’s Peak bei Kapstadt, Highway 1 an der kalifornischen Küste, Pyrenäen, Mauretanien oder auch einfach nur ein Erdhügel - wenn deine Religion Motorrad ist, gibt es unendlich viele Paradiese. Dagegen stinken Christentum, Islam und all die anderen komplett ab. Bei denen gibt’s immer nur ein Paradies – und dort dann noch nicht mal ‘nen ordentlichen Drink.

Wenn du frustriert bist, welche Musik hörst du dann?

Jonny Moped – Hard Lovin' Man

Mehr Infos zu Berham Customs findest du auf www.berham.com und die ganze Story zur Shiny Harry steht in CRAFTRAD N°4 und N°5. Hier gehts zur den Ausgaben.

Journal
Info & Credit
Veröffentlicht am: 
January 11, 2018
Autor: 
Julian von Zittwitz
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