Portraits
March 3, 2018

Intuitive Meisterwerke

Maxwell Hazan

Ohne Schlosserausbildung und Maschinenbaustudium ist Maxwell Hazan der einzige US-Amerikaner, dessen Name neben japanischen Großmeistern wie Shinya Kimura genannt wird. Ein Schicksalsschlag brachte ihn zum Motorradbau – und an die Spitze der internationalen Szene. Seine avantgardistischen Kreationen sind Exkurse im Next-Level-Motorradbau, erinnern an Designstudien und Fritz Langs Metropolis, obwohl Maxwell nur seiner Eingebung folgt. In L. A. sprachen wir mit dem entspannten Perfektionisten über 90-mph-Fahrräder und ungewöhnliche Baumaterialien.

Du baust seit mittlerweile sechs Jahren hauptberuflich Motorräder. Wie hat deine Leidenschaft für Zweiräder begonnen?

Motorräder habe ich schon als Kind geliebt. Überhaupt alles, was mit Handwerk zu tun hat – völlig egal, ob das Motorräder, Boote oder Autos waren. Bei meiner ersten Fahrt auf einem Motorrad war ich vier. Ich weiß noch genau, dass ich Motorrad fahren konnte, ehe ich auf einem Fahrrad saß. Es war einfacher für mich, wenn ich nicht in die Pedale treten musste...

Vor sieben, acht Jahren hatte ich einen schlimmen Unfall, während ich mit meinem Crossbike offroad unterwegs war. Meine Beine wurden arg in Mitleidenschaft gezogen und ich konnte eine ganze Weile nicht laufen. Unfähig, einer Arbeit nachzugehen, war ich auf der Suche nach Beschäftigung. Ich ließ mich die Nachmittage zu meinem Vater fahren, der eine Werkstatt auf seinem Grundstück besitzt. Dort schraubte ich an Fahrrädern herum und begann, aus den Teilen etwas zusammenzubasteln. Ich habe nicht versucht, ein Motorrad zu bauen, in erster Linie wollte ich nur die Zeit totschlagen. Als ich das Bike dann fahren konnte, war es beängstigend. Das Teil bestand nur aus Fahrradteilen und fuhr 80, 90 mph. Bei den nächsten beiden verbaute ich dann ausschließlich Teile von Motorrädern und bemerkte, dass ich etwas Besseres bauen kann, wenn ich alles von Grund auf selber mache. Wenn ich nicht versuche, fremde Teile mit einem fremden Rahmen zu kombinieren und stattdessen mit einer leeren Leinwand beginne und alles um den Motor baue. Üblicherweise bekomme ich bei jedem Projekt auf halber Strecke Ideen für das nächste.

Du hast als Interieurdesigner begonnen. Sind deine Arbeiten dafür im selben Geist entstanden wie deine Motorräder?

Ich war im Grunde Auftragnehmer für Renovierungsarbeiten, war aber auch mit den Designs und den Blaupausen betraut, die ich nur noch von einem Architekten absegnen ließ. Das hat eine Menge Zeit und Geld eingespart. Es war schon immer so, dass ich vieles selber gemacht habe – das und Handwerk im Allgemeinen fühlt sich für mich natürlich an. Ich denke, einige Menschen haben das einfach in sich, Dinge zu erschaffen.

Aber vergleichen lässt sich das nicht. Zwar habe ich bei einigen Projekten ein paar Möbelstücke hergestellt, bei denen ich kreativ tätig werden konnte, aber die meiste Zeit war es recht eintönig. Sicherlich war es meine Firma und es war klasse, selbstständig zu sein – letztendlich aber einfach eine Menge Arbeit, bei der ich mich nicht entfalten konnte.

Warum sich Maxwell Hazan eher als Künstler denn als Customizer versteht und wie er zwischen Skulptur und Fahrzeug vermittelt, erklärt er im weiteren Verlauf des Interviews in CRAFTRAD N°6. Hier kannst du das Heft bestellen.

Und hier sein neuestes Meisterwerk: Die zweite Version des Musket-Bobbers, ebenfalls angetrieben von zwei Royal Enfield Singles, die der geniale Aniket Vardhan zu einem 1000 ccm V-Twin vereint hat. Für noch mehr Fotos und den vollen Bericht dazu, klick dich zu unseren Kollegen von Pipeburn!

Journal
Info & Credit
Veröffentlicht am: 
March 3, 2018
Autor: 
Jan Zühlke
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