Kunst & Kultur
January 4, 2018

Cinemoto: Mit Herz und Hand

The world's fastest Indian

Wer sich vor alten Menschen gruselt, sollte lieber Crocodile Dundee gucken. Der kommt auch von Down Under, trifft ebenfalls auf griesgrämige Amerikaner, und lässt sie mit einem Grinsen im Gesicht und Wärme im Herzen zurück.

Rennsportlegende Burt Munro, in dem Film The World’s Fastest Indian (dt: Mit Herz und Hand) gespielt von Anthony Hopkins, ist aber noch mal um zwanzig Jahre reifer, um einige Erfahrungen knarziger und hat vor allem eine Mission. Mit seiner selbst getunten vollverkleideten Indian Scout, die ab Werk offiziell auf 54 Meilen pro Stunde kommt, will er den Geschwindigkeits-Weltrekord brechen.

Wer seinen Traum nicht lebt, ist so gut wie Gemüse, lautet eine der Weisheiten, mit denen Burt sich und die vielen Zweifler motiviert. Seine knappen Finanzen, die exotische Herkunft, aber vor allem sein Alter machen ihn zum klassischen Underdog, der niemals aufgibt. Trotz kaputtem Herz, trotz meckernder Prostata, trotz der Ignoranz der meisten seiner Mitmenschen startet er seine epische Reise von Invercargill in Neuseeland zur Bonneville Speed Week in Utah.

Dort, auf dem Großen Salzsee, dem geheiligten Boden der Renngeschichte, soll sie stattfinden. Die Fahrt seines Lebens. Regisseur Roger Donaldson (Cadillac Man, Getaway, White Sands) realisierte die Lebensgeschichte des Ausnahme-Motorsportlers 2005 mit einem Budget von 25 Millionen Dollar in Neuseeland und den U.S.A. Obwohl der Streifen nur 5 Mio. einspielte und in Deutschland erst gar nicht ins Kino kam, entwickelte er sich in Fankreisen zu einem Kultfilm. 

Herbert James „Burt“ Munro gab es tatsächlich. Er fuhr 22 Jahre lang Bergrennen, Trial und eine Vorform des Motocross, verpfändete sein Grundstück und heuerte als Schiffskoch an, um seine Reise nach Utah zu finanzieren. 1940 stellte er mit 194 km/h den neuseeländischen "Open Road"-Rekord auf. Er entwickelte einen eigenen Zylinderkopf mit hängenden Ventilen und hämmerte fünf Jahre lang eine stromlinienförmige Verkleidung aus Aluminiumblech für seine Munro Special zusammen, die am Ende zu klein für ihn war, jedoch später als Vorlage für einen Fiberglasabguss diente. Ab 1962 stellte er mit seiner Indian aus dem Jahr 1920 mehrere Geschwindigkeitsrekorde auf. Noch heute besteht sein Weltrekord auf den Bonneville Flats über 296,26 km/h. Inoffiziell erreichte er sogar 331 km/h. Da war er 68 Jahre alt. Was den alten Knaben zu seinen Leistungen antrieb, stellt der Film nicht in den Mittelpunkt. Nur in den Augen von Anthony Hopkins sehen wir manchmal zwischen der Naivität des Kleinstädters aus dem Kiwi-Land und der Altersmilde eines Mannes, dessen Leben sich dem Ende zuneigt, ein unerbittliches Blitzen, eine stoische Hartnäckigkeit, den Willen, das Außergewöhnliche zu wagen. 

"Der Zuschauer weiß Bescheid: Entweder er stirbt, oder er steht das durch", schreibt Die Zeit und vergleicht den getriebenen Rennfahrer gar mit einer anderen von Hopkins gespielten Kultfigur: Hannibal Lecter. Von dem könnte auch eine der Weisheiten stammen, welche der Film Burt Munro in den faltigen Mund legt: "Gefahr ist die Würze des Lebens. Und ab und zu muss man ein Risiko eingehen."

„Um Burt, seinen Einfallsreichtum, seine Hingabe, Entschlossenheit und Liebe zu Geschwindigkeit und Motorrädern zu ehren“ (Motorradonline), wurde 2006 vom Southland Motorcycle Club die Burt-Munro-Challenge ins Leben gerufen. Bei Straßenrennen in Munros neuseeländischer Heimatstadt Invercargill, einem Hill-Climb und dem legendären Strandrennen kann man jedes Jahr Ende November auf den Spuren der Legende fahren.

 

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Info & Credit
Veröffentlicht am: 
January 4, 2018
Autor: 
Redaktion
Fotos: 
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