Reise
April 22, 2018

Pangea Rider – Searching Nessy

Zehn Tage Großbritannien

Es ist ein Mittwoch im März als wir nach monatelangem Pländeschmieden über einen Motorrad-Trip durch Großbritannien Tickets für die Fähre zur größten Insel Europas kaufen. Dort wollen wir in zehn Tagen das Land erkunden. Während der Planungsphase für dieses Unterfangen wird schnell klar, dass wir uns auf sämtliche Wetterlagen einstellen müssen. Deshalb packen wir das komplette Paket an Motorradkleidung ein: T-Shirts, Thermounterwäsche, Pullover, Windstopper, Regenkleidung, Motorradjacke- und Hose mit Protektoren. Aufregung macht sich in uns bereit, denn der Trip steht kurz bevor. Am Donnerstag kommen wir früh in Bilbao an und besteigen die Fähre nach England. 25 Stunden später kommen wir an.

Freitag

Das Boot legt in Portsmouth an, wo das schlechte Wetter, dass wir bereits während der ganzen Überfahrt hatten, weiter anhält. Von hier sind es 300 Meilen nach Manchester, die wir komplett im Regen bewältigen. Gut sieben Stunden später kommen wir völlig ausgelaugt und im Dunklen in Manchester an. Eigentlich hatten wir ausgemacht möglichst nicht in der Nacht zu fahren, aber wir mussten da einfach durch. Stonehenge müssen wir auslassen.  

Samstag

Am nächsten Morgen, nachdem wir die Stadt besichtigt haben, entscheiden wir uns die rund 250 Meilen bis nach Edinburgh zurückzulegen. Die Landschaft hat sich jetzt deutlich verändert, von nassen Ebenen zu verschneiten Bergen. Auf dem Weg zu den Highlands biegen wir noch einmal ab, um den großartigen Hadrian’s Wall zu besichtigen, der den von den Römern besetzten Teil des Landes von den Pikten trennte. Als wir einen Bergpass überqueren, beginnt der Schnee einzusetzen und schnell frieren unsere Windschutzscheiben und Helmvisiere ein. Als wir bei Einbruch der Dunkelheit ankommen müssen die Pläne für die kommenden Tage neu überdacht werden. Aberdeen und John O Groats streichen wir von unserer Liste, damit wir den Zeitplan einhalten können und pünktlich in Skye Island ankommen – so zumindest die Idee.

Sonntag

Wir beginnen den Tag mit einer kleinen Tour durch die schöne Hauptstadt Schottlands. Wir frühstücken traditionell in einer schottischen Bar und lassen uns ein wenig von der historischen Atmosphäre der Stadt treiben. In der Nähe liegt der Berg Arthur’s Seat, den wir in Rekordzeit mit all unserer Motorradkluft besteigen - Fußblasen inklusive. Von dort oben hat man einen fantastischen Blick auf die ganze Stadt. Nachdem der Tag so wunderbar begonnen hat, beschlossen wir weiter Richtung Norden, nach Dundee zu fahren, wo wir uns in dem kleinen Fischerdorf Saint Andrews einquartieren.

Montag

Weitere 120 Meilen nördlich Richtung Inverness liegt der Cairngorms National Park. In Aviemore stärken wir uns mit landestypischen Fish & Chips. Prachtvolle Bergpässe sorgen für ein wohliges Gefühl im Bauch und so kommen wir wenig später gut gelaunt in Inverness an. Es ist eine kleine Stadt, die direkt an der Mündung des Flusses Ness in die Nordsee liegt. Typisch schottische Musik in einer Bar nach einem kleinen Rundgang durch die Stadt und traditionelle Gesänge der Gäste, lassen uns tief in die Kultur eintauchen.

Am gleichen Tag erreichen uns Nachrichten, dass ein Sturm aus dem Norden im Anmarsch ist, der sich mit einem weiteren aus dem Süden verbinden soll. Nach langem Abwägen über mögliche Gefahren und der Tatsache, dass wir für Tage in dem kleinen Ort gefangen sein würden, lassen uns die Entscheidung fällen, Skye Island im nördlichen Südwesten des Landes auszulassen.

Dienstag

Den Sturm vorerst umgangen, wollen wir es heute etwas ruhiger angehen lassen und weniger Kilometer zurücklegen als in den vergangenen Tagen. Die vielen Kurven der bergigen Landstraßen machen einen Höllenspaß und so fahren wir voller Zuversicht Richtung Fort Williams, wo der See Linnhe in ins Meer mündet. Als wir Loch Ness passieren, bekommen wir erste Ausläufer der herannahenden Stürme mit. Um uns aufzuwärmen halten wir bei einem kleinen Café, das einzig und allein aus dem Grund dort ist, um die Existenz des berühmten Seemonsters Nessy zu überprüfen.

Mittwoch

Als wir am nächsten Morgen in Fort Williams aufwachen, liegt Schnee auf unseren Motorrädern. Lindsey, die Besitzerin des Bed & Breakfast macht uns aber Hoffnung und erzählt, dass der Bergpass am Glencoe geöffnet ist und wir ihn benutzen können. Stirling, weiter im Süden, sollte also ein machbares Ziel für den heutigen Tag sein.

Stirling ist bekannt für den Sieg William Wallace’s über die Engländer. Ihm zu Ehren wurde im 19. Jahrhundert das Wallace Monument errichtet, ein Turm mit Blick auf das Schlachtfeld von 1297. Außerdem gibt es eine Burg zu besichtigen, sowie eine beeindruckende Brücke.

Von hier sind es nur noch 100 Meilen bis zur Grenze nach England und dem kleinen Ort Carlisle, wo wir die Nacht verbringen wollen. Einmal kurz nicht an das Wetter gedacht und schon geraten wir in eine extremen Schnee-und Eissturm. 70 Meilen in den schlimmsten Witterungsbedingungen, die wir je erlebt hatten, liegen nach Ankunft im Hostel hinter uns. Die warme Dusche haben wir uns redlich verdient.

Donnerstag

Der Tag beginnt mit einem dicken Frühstück, dass uns die verloren geglaubten Kräfte der gestrigen Odyssee zurückbringt. Nachdem die Taschen neu gepackt sind, geht es weiter Richtung Süden. Wir genießen die Fahrt und erreichen am Ende des Tages Ledbury im Südwesten von Worcester. Nach einer zweistündigen Tour durch die Stadt mit ihren putzigen Fachwerkhäusern finden wir Unterschlupf in einem kleinen Guesthouse.

Freitag

Nur noch 150 Meilen bis Portsmouth und dem Ende unserer Reise. Herrliches Wetter und Sonnenschein, wie wir ihn selten auf unserer Tour genießen konnten, machen den letzten Teil der Strecke zu einer einzigen Genussfahrt. Im Hintergrund können wir bereits die Blue Rock Monoliths sehen und nachdem sich ohnehin ein Stau abzuzeichnen beginnt, entscheiden wir uns für eine kleine Besichtigung der gut 4500 Jahre alten Steinfiguren.

Wir erreichen Portsmouth zur Mittagszeit und merken erst jetzt, wie geplättet wir von der ganzen Reise sind. Jeden Tag aufs Neue das Gepäck zu packen und immer wieder in die gleichen Klamotten zu steigen hat uns einiges abverlangt und so fallen wir ohne groß auszupacken ins Bett.

Samstag

Die Fähre legt schon früh ab. Wie im Traum erleben wir einige der Highlights und Strapazen nochmal: Der Regen, die Bergpässe, die Eiseskälte während wir im Schneesturm unterwegs waren, Nessy. Alle Momente sind irgendwo in den Hirnwindungen unserer Köpfe abgespeichert und auch mit der Kamera konnten wir einige Augenblicke einfangen. Bei dem Blick aus dem Fenster der Fähre realisieren wir, dass nun ein lang gehegter Wunsch zu Ende geht. 28 Stunden später erreichen wir wieder Santander.

Text & Bilder: Álvaro Pérez , Übersetzung: Moritz Weinstock

Journal
Info & Credit
Veröffentlicht am: 
April 22, 2018
Autor: 
Redaktion
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