Motorrad
October 23, 2017

Nicholas Bech – Weniger ist mehr

Die Debatte

Es ist die Urform des motorisierten Wettbewerbs: eins gegen eins auf der Achtelmeile. Keine Ausreden mehr, sondern nur Vollgas und hoffen, dass der Gegner nicht so schnell am Gashahn zieht. Sultans of Sprint, Essenza, Punk’s Peak Race, The Reunion, Glemseck 101... Die Liste lässt sich anscheinend endlos fortführen. Achtelmeilensprints sind fester Bestandteil sowohl auf den publikumsstärksten Events als auch bei familiären Motorcycle-Happenings. Doch mit zunehmender Verbreitung dieses Formats erhöht sich proportional zur Quantität auch das Risiko eines Abnutzungseffekts. Wir haben verschiedene Akteure gefragt, wie man das Feuer in der Custom-Szene weiter am Brennen hält und welche Bedeutung Sprint-Veranstaltungen dabei haben. Wir lassen Jörg Litzenburger, Jens Kratschmar, Nicholas Bech, Nico Müller, Sylvia Petrasch und Sébastien Lorentz zu Wort kommen. Eine Debatte über das Für und Wider von Sprintrennen.

Nicholas Bech

Die großen Hersteller und Marken haben den Geist und die Haltung der Festivals verändert. Die Events beugen sich ökonomischen Notwendigkeiten, das verstehen wir, begrüßen es aber nicht. Die großen Hersteller drängen die kleinen Pioniere an den Rand, die Veranstalter hofieren die Großen, räumen ihnen 100 Quadratmeter Standfläche ein. Das Geld übernimmt, der Charme ist hin.

Den Herstellern sollte das bewusst sein. Sie sollten sich selbst beschränken. Yamaha ist eine rühmliche Ausnahme. Die Japaner haben beim Wheels & Waves konsequent die gleichen Armeezelte wie alle anderen Aussteller benutzt.

Wir lieben Rennen, Sprints, Ride-Outs. Wir wollen weiterhin auf so vielen Festivals wie möglich präsent sein, aber als Teilnehmer, als Gleiche unter Gleichen, nicht als Hardcore-Selbstvermarkter. Wir haben auch noch nie für Werbung oder Artikel bezahlt.

Welche Festivals wir besuchen, hängt stark vom finanziellen und zeitlichen Aufwand ab. Wheels & Waves kostet uns zu viel, und wir brauchen 27 Stunden nonstop für die Anfahrt. Außerdem haben wir uns für das Wheels & Waves geschämt, als es 2016 anfing, Eintritt für den Aussteller-Bereich The Village zu nehmen. Du bezahlst dafür, dir in einem Bereich, in dem sich Hersteller selbst bewerben, Getränke kaufen zu dürfen? WTF. Ja, man konnte auch Bands hören, talentierte Skater bestaunen und Custom-Motorräder inspizieren, aber die großen Aussteller haben schon Unsummen für ihre Standmiete bezahlt, warum dann noch die Besucher schröpfen? Wir haben zum Ausgleich unsere T-Shirts verschenkt …

Es gibt kein verlässliches Rezept für eine gelungene Veranstaltung, einen Sprint, ein Rennen. Ich mag die Idee hinter Wheels & Waves, Glemseck 101, Cafe Racer Festival Paris, Brooklyn Invitational, Dirt Quake etc., und natürlich bin ich dafür, die kommerziellen Hersteller zu integrieren. Aber bitte mehr undercover! Ab einer bestimmten Größe haben die Veranstalter allerdings gar keine Wahl mehr – sie müssen auf Wachstum setzen.

Will man sich ohne Krampf vergnügen, bleibt nur eine Wahl: Pack' deine Tasche, starte die Maschine, geh' auf einen ausgedehnten Trip – und konzentriere dich auf dich und deine Kumpels.

Das ist eine Meinung zum Thema. Wie unsere anderen Debattenteilnehmer zu Sprintrennen stehen, könnt ihr hier lesen.

Mit dabei sind:

Jörg Litzenburger

Jens Kratschmar

Hookie Co.

Sébastien Lorentz

Journal
Info & Credit
Veröffentlicht am: 
October 23, 2017
Autor: 
Redaktion
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