Custombikes
February 12, 2018

Plan B Motorcycles – The Ugly Duck

Ducati Multistrada 1000 DS Custom

Schönheit ist keine Leistung

Ob mit seiner umgebauten Buell, der Cherry Salt Mk2, mit der er 2015 beim Glemseck 101 antrat, oder der wunderschönen Benelli 512M, die er als Hommage an den legendären Ferrari 512M Rennwagen aus den 1970er baute – Erfahrung im Motorradbau hat Christian von Plan B Motorcycles zu Genüge und auch das Duell auf der Geraden ist ihm nicht fremd. Für die Teilnahme bei der nächsten Sprint of Sultans Meisterschaft gibt es allerdings zwei Probleme. Erstens: er hat noch kein Bike. Zweitens: es sind nur noch wenige Tage bis die Anmeldefrist für das Event abläuft.

Also ab ins Internet. Beim Durchstöbern diverser Verkaufsplattformen stößt er auf eine Ducati Multistrada 1000 DS. Auch wenn das Design des hubraumstarken Sporttourers auf den ersten Blick nicht wirklich zum Umbau einlädt, so überzeugt das Motorrad bei näherer Betrachtung vor allem durch den leichten und kraftvollen Motor. Abgesehen davon sind gut erhaltene Exemplare relativ günstig zu erwerben, also überlegt er nicht lange und schlägt zu. Nur einen Tag vor dem Anmeldeschluss reicht er Fotos und Seriennummer seiner Reisemaschine bei den Sultans ein. Zehn Tage bleiben ihm von nun an, um aus dem Motorrad herauszuholen, was eine Person in so kurzer Zeit bewerkstelligen kann.

Um auf der Achtelmeile mithalten zu können müssen daher erstmal Kilos purzeln. Also wird das Heck gekürzt und ein neuer Unterrahmen aus Aluminium gebaut, der dem Bike eine schnellere Linie verleiht. Die alte Gabel fliegt raus und wird durch das Vorderteil einer Ducati 748 ersetzt. Satte zwölf Zentimeter kürzer als das Original, kommt die Multistrada jetzt schon deutlich aggressiver daher. Die originalen Endschalldämpfer müssen ebenfalls ab. Christian denkt gar nicht erst daran, die Auspuffrohre nochmal nach Hinten zu verlegen, also lässt er sie einfach unterhalb des Motors enden. Für große Umbaumaßnahmen am Hinterrad ist allerdings keine Zeit. Nur ein neuer Monoshock von Gears Racing wird verbaut. Die Schwinge der Multistrada bleibt, auch wenn damit die Wheelbase für ein echtes Sprintmotorrad etwas kurz gerät. Für eine anständige Performance muss er daher möglichst viel Gewicht nach vorne bringen. Improvisierte, tief angebrachte Clip Ons sollen dazu auffordern, sich noch mehr über den Tank zu legen.

Ugly Power

Jetzt ist der Motor an der Reihe. Zunächst werden die Luftfilter entfernt und durch zwei große Ansaugtrichter ersetzt. Der KraftstoffdruckregIer eines Autos findet ebenfalls den Weg in die Maschine. Zusammen mit dem neuen Auspuffsystem und einer Nitroeinspritzung „atmet” die Ducati jetzt deutlich mehr. Neben mechanischen Tunings, entscheidet sich Christian auch dazu mittels Elektronikoptimierung die Leistung zu steigen. Das mag zwar eine hinterwäldlerische Methode sein, aber auf diese Weise kann so viel Benzin wie möglich in die Zylinder gepresst werden. Auf einen Kilometer verbrennt sie jetzt gut einen Liter Kraftstoff. Für die Karosserie verwendet er ausschließlich poliertes Aluminium, wobei der große Tank nur der Optik dienlich ist. Unter der Verkleidung schlummert lediglich ein zwei Liter fassender Behälter, die Batterie und sonstiges Kabelwerk. Die Arbeiten ziehen sich und so schraubt er bis drei Uhr Morgens an der Maschine herum, schläft kurz und schiebt am nächsten Tag seine auf Ugly Duck getaufte Multistrada in den Van. Ab geht’s nach Monza!

Bei der Übungsfahrt auf der Rennstrecke läuft ihm das Wasser vom Helm in die Hose, er schwitzt aus allen Poren und ist nervös wie selten: 

“Wieso zur Hölle bringe ich mich immer wieder in solche Situationen?”

fragt er sich und rollt zur Startlinie. Nitro, Bremsen, Geometrie, alles ist ihm neu, Erfahrungswerte existieren nicht! Anfahren im ersten Gang scheint nach einem kurzen Test einem Himmelfahrtskommando gleich zu kommen, der Zweite geht schon eher.

Dann wird es ernst: Visier runter, Flagge, Kupplung, Gas und ab geht’s. Die Maschine schreit, Christian auch und kaum hat er den Gang eingelegt, ist er schon wieder auf der anderen Seite. Selten hatte er einen Ritt wie diesen. Die Beine schlackern ihm kurz nach der Fahrt noch immer wie Fähnchen im Wind, aber das Grinsen über die erfolgreiche Jungfernfahrt überwiegt. Die ersten paar Rennen kann die Ugly Duck für sich entscheiden, bis Amir von Mellow Motorcycles kommt. Gleicher Motor, aber in einem längeren Rahmen und – noch wichtiger – ein unglaublich guter Fahrer. Kein Wunder, dass er den Wettkampf im letzten Jahr für sich entscheiden konnte. Und so ist es auch dieses Mal.

Egal, halb so wild! Christian fühlt sich trotzdem als Sieger. In nur zehn Tagen hat er ein Motorrad aufgebaut, dass sich im Wettkampf sehen lassen kann. Genau aus diesem Grund hat er das Bike auch so gelassen, wie es ist. Unfertig, unschön und irgendwie falsch – eine echte Ugly Duck eben, aber eine schnelle!

Journal
Info & Credit
Veröffentlicht am: 
February 12, 2018
Autor: 
Moritz Weinstock
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