Motorrad
March 28, 2018

Reingeschaut – Return to the island

Return to the Island

Der Neuseeländer John Britten wollte die schnellste Rennmaschine bauen und der Welt zeigen, dass auch ein paar Freunde und gute Ideen ausreichen, um sich mit den großen Herstellern auf Augenhöhe zu messen.

1990 ist es dann soweit, die erste Britten V1000 erblickt in Christchurch das Licht der Welt. Dabei besticht sie vor allem durch völlig unkonventionelle Konstruktionsansätze. So verbaut das kleine Team den Wasserkühler des rund 1.000 ccm starken V-Twins unterhalb der Sitzfläche, verwendet im großen Maßstab den zu dieser Zeit hochmodernen Baustoff Carbon und entwickelt eine komplexe Federung mit Doppelquerlenkern für das Vorderrad.

Die Motorradwelt steht bei den ersten Auftritten der Rennmaschine Kopf und ist fasziniert von der innovativen Bauweise. 1994 tritt Britten dann erstmals bei der Isle of Man TT an und schickt zwei Maschinen ins Feld. Doch statt abzusahnen, wird das Team mit der knallharten Realität der wohl gefährlichsten Rennstrecke der Welt konfrontiert...

 

In einer Stadt, die nicht nur von einer extrem begrenzten Wohnraumsituation, sondern auch horrenden Mietpreisen geprägt ist, gestaltet sich die Suche nach einer geeigneten Bleibe zu einer wahren Odyssee. Nach gut zwei Jahren permanenter Ortswechsel, finden sie im Februar 2017 das richtige Objekt. Das Container Collectiv am Ostbahnhof hält einen alten Schiffscontainer bereit, der noch auf neue Mieter wartet. Hier, inmitten von Künstler-Ateliers Bars und Cafés, scheint endlich die richtige Umgebung für das kreative Schaffen am geliebten Zweirad gefunden. Der Platz in der neuen Werkstatt ist zwar extrem begrenzt und auch der komplette Neuaufbau einer Maschine für einen Kunden fordert ihnen einiges ab, dennoch schaffen es die Jungs ihren ersten Auftrag zufriedenstellend in die Tat umzusetzen.

Custom Passion

Kaum hat die hübsche SR 500 als Scrambler ihren Container verlassen, folgen auch schon die nächsten Projekte. Aktuell ist es eine Yamaha XS 1100, die sie zu einem leistungsstarken und dennoch  komfortablen Cruiser umgebaut haben – englisches Understatement á la Jaguar eben. Da darf eine Lackierung in British Racing Green natürlich nicht fehlen, ebenso Lenkerbänder aus Leder und der Tank einer amerikanischen XS 1100, der für eine schlankere Linie sorgt.

Im dritten Jahr ihres Bestehens hat sich das Kollektiv an die Arbeit mit und für Kunden gewöhnt:

"Es ist interessant und auf eine andere Weise fordernd mit Ideen und der Inspiration des Kunden zu arbeiten und jedem Projekt zudem die eigene Handschrift zu verpassen."

Dabei ist für sie jeder Umbau ein echte Herzensangelegenheit. Mit ihrer Detailversessenheit versuchen sie Unikate zu schaffen, die ihren Kunden ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Das mag zwar kitschig klingen, aber wer Wochen und Monate mit einer Maschine auf wenigen Quadratmetern in einem Container verbringt, der entwickelt einfach eine innige Bindung. So verwundert es kaum, dass ihnen so manch ein Abschied nicht ganz leicht fällt ‒ auch wenn das breite Grinsen zufriedener Auftraggeber für alle Mühen entlohnt.

Gelb, rot und schwarz stehen bei der Anschaffung zur Debatte, sowie etwas über 4.000 Euro. Nicht wenig Geld für den kleinmotorigen Flitzer, aber ausgerüstet mit Taucherbrille und Badehandtuch ist man damit der King an jedem Badeteich.

Journal
Info & Credit
Veröffentlicht am: 
March 28, 2018
Autor: 
Moritz Weinstock
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