Portraits
April 5, 2018

Reingeschaut – Maxwell Hazan

Max Hazan baut Motorräder wie kein zweiter. Dabei entstehen die außergewöhnlichen Schönheiten komplett aus eigener Hand. Nichts überlässt er dem Zufall oder dem Diktat der Linienführung einer gewöhnlichen Hersteller-Maschine. Als Orientierung dienen ihm lediglich Motoren wie Harley-Davidson, Triumph, Ducati, um die herum er seine einzigartigen Konstruktionen entwickelt. Der Stil seiner Motorräder ist dabei so sehr Hazan, dass man mit Begriffen wie Art-Deco oder Steam-Punk nur vorsichtig um sich schmeißen sollte. Wer verstehen will, was genau die Arbeit des gebürtigen US-Amerikaners ausmacht, der wird mit dieser Kurzdokumentation nicht nur ein Stückchen schlauer, sondern bekommt auch interessante Einblicke in die Werkstatt und den Alltag des Meisters.

 

In einer Stadt, die nicht nur von einer extrem begrenzten Wohnraumsituation, sondern auch horrenden Mietpreisen geprägt ist, gestaltet sich die Suche nach einer geeigneten Bleibe zu einer wahren Odyssee. Nach gut zwei Jahren permanenter Ortswechsel, finden sie im Februar 2017 das richtige Objekt. Das Container Collectiv am Ostbahnhof hält einen alten Schiffscontainer bereit, der noch auf neue Mieter wartet. Hier, inmitten von Künstler-Ateliers Bars und Cafés, scheint endlich die richtige Umgebung für das kreative Schaffen am geliebten Zweirad gefunden. Der Platz in der neuen Werkstatt ist zwar extrem begrenzt und auch der komplette Neuaufbau einer Maschine für einen Kunden fordert ihnen einiges ab, dennoch schaffen es die Jungs ihren ersten Auftrag zufriedenstellend in die Tat umzusetzen.

Custom Passion

Kaum hat die hübsche SR 500 als Scrambler ihren Container verlassen, folgen auch schon die nächsten Projekte. Aktuell ist es eine Yamaha XS 1100, die sie zu einem leistungsstarken und dennoch  komfortablen Cruiser umgebaut haben – englisches Understatement á la Jaguar eben. Da darf eine Lackierung in British Racing Green natürlich nicht fehlen, ebenso Lenkerbänder aus Leder und der Tank einer amerikanischen XS 1100, der für eine schlankere Linie sorgt.

Im dritten Jahr ihres Bestehens hat sich das Kollektiv an die Arbeit mit und für Kunden gewöhnt:

"Es ist interessant und auf eine andere Weise fordernd mit Ideen und der Inspiration des Kunden zu arbeiten und jedem Projekt zudem die eigene Handschrift zu verpassen."

Dabei ist für sie jeder Umbau ein echte Herzensangelegenheit. Mit ihrer Detailversessenheit versuchen sie Unikate zu schaffen, die ihren Kunden ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Das mag zwar kitschig klingen, aber wer Wochen und Monate mit einer Maschine auf wenigen Quadratmetern in einem Container verbringt, der entwickelt einfach eine innige Bindung. So verwundert es kaum, dass ihnen so manch ein Abschied nicht ganz leicht fällt ‒ auch wenn das breite Grinsen zufriedener Auftraggeber für alle Mühen entlohnt.

Prototype Two

Typ Two ist sozusagen die Kombination, der Kompromiss zwischen One & Three. Trotz eines relativ ähnlichen Aufbaus sowie dem nahezu gleichen Design zu Prototype One, wurde hier auf etwas mehr Alltagstauglichkeit abgeschwächt. Mit Straßenreifen, einem herkömmlichen Tanksystem, sowie Front- und Rückscheinwerfern nähert sich Typ Two der XS 750 an und sorgt damit für Performance auch abseits der Rennstrecke. Die zweifarbige Lackierung unterstreicht die Verbindung zu den beiden anderen Maschinen und greift den cleanen Stil von Auto Fabrica treffend auf. Typ Two soll in limitierter Stückzahl nach Kundenauftrag gefertigt werden, wobei unzählige Individualisierungsoptionen zur Verfügung stehen werden.

Mit ihren drei Custom-Versionen zu ein und demselben Projekt, schlägt Auto Fabrica einen neuen Weg in der Szene ein. Ein spannender Ansatz, der das Können der Brüder gleich anhand mehrer Bikes veranschaulicht. Wir sind schon gespannt inwieweit andere Customizer sich von dieser Praxis beeinflussen lassen werden und wann der erste Typ Two auf den Straßen zu sehen ist.

Die Customs in Action kann Du hier erleben.

Journal
Info & Credit
Veröffentlicht am: 
April 5, 2018
Autor: 
Moritz Weinstock
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