Kunst & Kultur
February 15, 2018

Reingeschaut – Painted in Dust

Reif für die Wüste

Die Wüste ist sein Zuhause, sein Lehrmeister und Quelle unzähliger Inspirationen. Aufgewachsen in Huntington Beach, Kalifornien, nutzt Forrest Minchinton jede freie Minute um in die Mojave-Wüste zu entfliehen. Hier, auf der Ranch seines Vaters Mike, lernt er nicht nur das Formen von Surfbrettern, sondern auch die karge, menschenfeindliche Landschaft der Wüste schätzen. Über die Jahre entsteht aus der einst kleinen Holzhütte ein wahres Schmuckstück aus zusammengesammelten Gegenständen. Ein Spielplatz, ein Ranch und ein Zuhause für Motorheads und Surferboys – ganz ohne Ozean, dafür aber mit hauseigener Surfboard-Werkstatt und jeder Menge Platz für ausgedehnte Offroad-Abenteuer.

Painted in Dust ist ein Kurzfilm von Dustin Humphrey, der die Leidenschaft zweier Menschen für die Abgeschiedenheit und Ruhe der Wüste einfängt und eine Geschichte rund um den Lifestyle von Motocross und Surfen erzählt.

 

In einer Stadt, die nicht nur von einer extrem begrenzten Wohnraumsituation, sondern auch horrenden Mietpreisen geprägt ist, gestaltet sich die Suche nach einer geeigneten Bleibe zu einer wahren Odyssee. Nach gut zwei Jahren permanenter Ortswechsel, finden sie im Februar 2017 das richtige Objekt. Das Container Collectiv am Ostbahnhof hält einen alten Schiffscontainer bereit, der noch auf neue Mieter wartet. Hier, inmitten von Künstler-Ateliers Bars und Cafés, scheint endlich die richtige Umgebung für das kreative Schaffen am geliebten Zweirad gefunden. Der Platz in der neuen Werkstatt ist zwar extrem begrenzt und auch der komplette Neuaufbau einer Maschine für einen Kunden fordert ihnen einiges ab, dennoch schaffen es die Jungs ihren ersten Auftrag zufriedenstellend in die Tat umzusetzen.

Custom Passion

Kaum hat die hübsche SR 500 als Scrambler ihren Container verlassen, folgen auch schon die nächsten Projekte. Aktuell ist es eine Yamaha XS 1100, die sie zu einem leistungsstarken und dennoch  komfortablen Cruiser umgebaut haben – englisches Understatement á la Jaguar eben. Da darf eine Lackierung in British Racing Green natürlich nicht fehlen, ebenso Lenkerbänder aus Leder und der Tank einer amerikanischen XS 1100, der für eine schlankere Linie sorgt.

Im dritten Jahr ihres Bestehens hat sich das Kollektiv an die Arbeit mit und für Kunden gewöhnt:

"Es ist interessant und auf eine andere Weise fordernd mit Ideen und der Inspiration des Kunden zu arbeiten und jedem Projekt zudem die eigene Handschrift zu verpassen."

Dabei ist für sie jeder Umbau ein echte Herzensangelegenheit. Mit ihrer Detailversessenheit versuchen sie Unikate zu schaffen, die ihren Kunden ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Das mag zwar kitschig klingen, aber wer Wochen und Monate mit einer Maschine auf wenigen Quadratmetern in einem Container verbringt, der entwickelt einfach eine innige Bindung. So verwundert es kaum, dass ihnen so manch ein Abschied nicht ganz leicht fällt ‒ auch wenn das breite Grinsen zufriedener Auftraggeber für alle Mühen entlohnt.

Gelb, rot und schwarz stehen bei der Anschaffung zur Debatte, sowie etwas über 4.000 Euro. Nicht wenig Geld für den kleinmotorigen Flitzer, aber ausgerüstet mit Taucherbrille und Badehandtuch ist man damit der King an jedem Badeteich.

Journal
Info & Credit
Veröffentlicht am: 
February 15, 2018
Autor: 
Moritz Weinstock
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