Custombikes
December 5, 2016

Rough Crafts – MV Agusta Ballistic Trident

Die Eierschalenverkleidung war Mitte der 1950er ein kurzlebiger Trend im Motorradrennsport. Hersteller wie NSU, Moto Guzzi und MV Agusta staffierten ihre Hochleistungsmaschinen mit einem Frontkleid aus, um ein paar km/h mehr rauszukitzeln. Was beim Frontwind durch erhöhte Aerodynamik zugute kam, stellte sich bald bei Seitenwind als gehöriger Nachteil heraus, was in vermehrten Unfällen resultierte. 1957 kam dann das rasche Ende der gewöhnungsbedürftigen Verschalung. 60 Jahre später haben einige den Reiz der Stromlininien wiederentdeckt und bewerkstelligen die Unternehmung nur semi-gut. Ein aktuelles Beispiel „glänzt“ mit einer wenig überlegten, rangeklatschten Frontschürze an einer California 1400 Eldorado, verzahnt mit aktueller Retro-Ästhetik.

Mehr Geschick brachten da Rough Crafts aus Taiwan mit, die mit ihrer MV Agusta Ballistic Trident das 50er-Racing-Relikt gekonnt ins Jahr 2016 überführen. Nicht nur ist das Design durchdacht, es wirkt an der Brutale 800 RR auch wie aus einem Guss. Winston Yeh, seines Zeichens Founder von Rough Crafts, transferierte das am Computer konzipierte 3D-Modell auf eine 1:1-Holzvorlage, das er schließlich Lee Speed übergab, die das Endprodukt aus Karbon fertigten. Die Rough Crafts typische edle Farbgebung in schwarz und gold erledigt den Rest und entschärft das dreckig-fiese Mattschwarz am Tank, Rahmen und Motor.

Doch Performance ruft nicht nur die reminiszierende Verkleidung der ikonischen Grand-Prix-Maschinen der 1950er ins Gedächtnis, auch die sechs-bespeichte Felge ist der Racing-Tradition geschuldet, während der von Pirelli Taiwan gesponserte Diablo-Superbike-Schlappen und die gasdruckunterstüzte Öhlins-FGR-800-Telegabel dafür Sorge tragen, das es nicht ausschließlich bei der Hommage bleibt.

Die Liebe zum Detail bringen derweil sowohl das Custom-Bremssystem von Beringer, das mit einem einzigartigen Frontrotor aufwartet und passend zur Felge designt wurde, als auch der HYDRPO TRE von HP Corse, der die Linie der Verkleidung nochmal ins Spiel bringt und das AEM-Factory-Kettenrad in den Farben des Bikes.

Die Ballistic Trident debütierte gestern, am 4. Dezember, im Rahmen der 25. Yokohama Hot Rod Custom Show und war eine der Stars auf der weltweit bekanntesten und wichtigsten Custom-Messe. Dieses jährliche Stelldichein mit bis zu 15.000 Besuchern, die über 300 Autos und 650 Motorräder von Umbauer aus der ganzen Welt inspizieren, wird umrahmt von etlichen Pinstripern, 270 Verkaufsständen und eine Handvoll Bands, die den Soundtrack zu dieser Parade von Custombikes und Muscle Cars amerikanischer Prägung liefern. Einen ausführlichen Bericht zur letztjährigen HRCS gibt es in CRAFTRAD N°3 - Pain & Glory zu lesen, die ihr hier bestellen könnt: CRAFTRAD N°3 - Pain & Glory

Gelb, rot und schwarz stehen bei der Anschaffung zur Debatte, sowie etwas über 4.000 Euro. Nicht wenig Geld für den kleinmotorigen Flitzer, aber ausgerüstet mit Taucherbrille und Badehandtuch ist man damit der King an jedem Badeteich.

Journal
Info & Credit
Veröffentlicht am: 
December 5, 2016
Autor: 
Oliver Schlegel
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