Motorrad
November 13, 2018

November Scrambler

Scramble Bee Rally 2018

Scramble Bee Rally 2018

Samstagmorgen, der Wecker klingelt nicht, ich wache trotzdem auf. Es ist kurz vor 7 Uhr und ich hab’ verpennt. Der ein oder andere Leser wird sich nun fragen, was man an einem Samstagmorgen um so eine unchristliche Zeit zu tun hat, aber ich kann beruhigen: der Grund ist kein frühzeitiger Kirchenbesuch, sondern die Teilnahme an einer Oldtimer-Enduro-Rally, genauer gesagt der Scramble Bee Rally in Berlin. Ja, genau, in Berlin, wobei nicht die Stadt, sondern ihre nördlichen Ränder zum ausgewählten Offroadparcours, Wald-und Forstwege zur Spielwiese für Allwetter-und Jahreszeitenfahrer werden, die den Schlamm genauso wenig fürchten wie Flussdurchfahrten im strömenden Regen.

Höchste Konzentration bei der Fahrerbesprechung

In Windeseile verlasse ich das Bett, dusche, schmiere mir Brötchen und packe die Regenklamotten in die Satteltaschen meiner SR500. Verschlafen manövriere ich das Motorrad durch den Morgendunst Richtung nördliches Berlin. Nach einer halben Stunde komme ich in der Werkstatt der Veranstalter, dem Ausgangsort der Rally, an.

Ich bin weder nass noch durchgefroren, trotz früher Uhrzeit. Es scheint ein guter Tag zu werden, die Wetterprognose ist aussichtsreich und das, was mir und rund 40 anderen Teilnehmern bevorsteht, scheint es auch zu sein. Bei Kaffee und Croissant geht es in die Fahrerbesprechung, während manch einer letzte Reparaturmaßnahmen durchführt, um das alte Moped doch noch zum Laufen zu bringen. Jeder will mitscramblen, sogar die Jungs von Red Hot Chili Customs aus Polen und Jörg Niemeyer von Single & Twin aus Hamburg samt Anhang haben den Weg nach Berlin auf sich genommen.

Die Stimmung ist ausgelassen, Zweitakter werden auf Touren gebracht, Startnummern an die Lenker gezurrt und Roadbooks studiert. Die meisten Teilnehmer sind Wiederholungstäter – aus gutem Grund. Die Vielfalt der Modelle ist groß, ebenso die der Teilnehmer. Jung und alt, Mann und Frau - alle freuen sich gleichermaßen auf die bevorstehende, gut 100 Kilometer lange Orientierungsfahrt durchs Gelände. Im Abstand von 2 Minuten verlassen Zweierteams den Hof, Orientierung bietet von nun an nur das penibel ausgearbeitete Roadbook, das auf dem Tank klebt und wie ein Comic in kleinen Bildern Aufschluss über die Strecke gibt. Und manchmal hilft nur der Kompass weiter, den wir bei der Einschreibung bekommen haben.

Ich bin heiß, genau wie mein Teamkollege Joschua, der nervös am Gashahn seiner TT225 dreht – endlich geht’s wieder ins Gelände! Zum Glück habe ich leichte Stollenreifen nachgerüstet, so kann ich wenigstens mithalten. Weichei, denke ich, als ich Nico mit seiner chopper-haften Honda CB550 sehe. Auch er wird am Ziel ankommen – mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Und so geht es allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Am Ende des Tages, nach wilden Schlitterpartien über matschige Waldwege, einer Flussdurchquerung, zwei möglichst gleichmäßig zu fahrenden Runden in einer amtlichen Motocross-Strecke und vielen anderen Herausforderungen für Mensch und Maschine, trudeln alle beseelt im Dämmerlicht am Ausgangsort ein. 

Ausgelassene Stimmung bei der Zwischenprüfung auf der Motocross-Strecke

Die Motorgeräusche erstummen, Benzingespräche entzünden sich und nebenbei knistert ein wärmendes Lagerfeuer. Der Grill bollert, das Bier schmeckt und zusammen mit einem herrlichen Chili con Carne wird der Abschluss der Rallye fast schon kitschig perfekt. Ich komme wieder, im November 2019 – egal wie das Wetter wird!

Journal
Info & Credit
Veröffentlicht am: 
November 13, 2018
Autor: 
Moritz Weinstock
Fotos: 
Tim Adler
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