Motorrad
February 21, 2018

Unterschätzte Meisterwerke – Suzuki GSX-R 750

Moderne Klassiker für kleines Geld mit hoher Wertsteigerungsoption – je nach Verbastelungsgrad oder neudeutsch Customizing-Style.

Das Custom-Karussell dreht sich weiter. Bisher lag der Fokus auf Maschinen, für die die Ton-Up-Marke (100 mph/170 km/h) die maximale Herausforderung darstellte. Aber von Cafe Racer und Scrambler schwenkt der Blick zunehmend gen Supersportler der frühen 90er. Vollverkleidung statt Naked Bike, 250 km/h Autobahnbrett statt 120 km/h Landstraßengedaddel. Dieses neue Interesse bedeutet nicht nur eine kontinuierliche Verschiebung (wie von der Honda CB 750 zur BMW 2-Ventiler), sondern einen radikalen Bruch innerhalb der kurzen Geschichte der neuen Custom-Szene.

Der Begriff Customizen muss neu ausgerichtet werden: Bei Supersportlern ergibt das Customizen der Maschine kaum Sinn, das Technik-Gedärm hinter der Vollverkleidung kann man weder aus optischen noch technischen Gründen freilegen. Stattdessen muss der Mensch seine Fahrweise customizen.

Unser Stinkefinger-Coverstar der ersten CRAFTRAD-Ausgabe, Farouk, gibt als jahrzehntelanger Suzuki-GSX-Fahrer einen Einblick in das Selbstverständnis von Supersportler-Piloten. 

Wer mit 16 keine 1000 Kubik unterm Arsch hatte, sollte sich sehr genau überlegen, ob er sich später an einen Supersportler rantraut ...

„Die Ur-GSX-R 750 war 1985 das erste Motorrad, das mit der Rennstrecken-Optik rauskam. Fireblade oder Ninja folgten erst in den 90ern. Der zeitliche Vorsprung hat der GSX ein Plus beim Legendenstatus verschafft. Die 85er-GSX war allerdings ein wildes Pferd. Man musste unglaublich auf die Drehzahl gehen. Umgebaut hat man daran nichts. Vielleicht Dynojet-Power-Düsen für den Vergaser, K&N-Filter, Airbox einstellen. Ich habe eine 4-in-1-Auspuffanlage geschweißt, mit den Rohren einer Katana. Racing-Topf drauf, uriger Sound, ein bisschen mehr Endgeschwindigkeit hat sie gebracht – und alle Dichtungen durchgehauen. Akrapovic-Töpfe kannte man noch nicht. Sievering nahm man, oder Marving, der war tierisch laut. 

Aber du kannst aus einem Supersportler kein Custom-Bike machen. Als Naked Bike? Was soll ich mit so viel Power? Dann kann ich gleich eine kurze Übersetzung einbauen, weil ich eh keine Endgeschwindigkeit haben kann. 

Die Doppelscheinwerfer-Modelle bis 1990 sind auf der Rennstrecke überholt, aber in der Stadt reichen sie immer noch, um alles stehen zu lassen. Mehr als 100 PS kannst du eh nicht auf die Straße bringen. Ich gehe an jeder Ampel mit dem ganzen Körper nach vorne, das Rad kommt trotzdem hoch. Mit 'm Burn-out los, flatternde Jogginghose, du bist der Chef im Ring. Dafür ist die GSX-R 750 super.‟

Gelb, rot und schwarz stehen bei der Anschaffung zur Debatte, sowie etwas über 4.000 Euro. Nicht wenig Geld für den kleinmotorigen Flitzer, aber ausgerüstet mit Taucherbrille und Badehandtuch ist man damit der King an jedem Badeteich.

Journal
Info & Credit
Veröffentlicht am: 
February 21, 2018
Autor: 
Jan Joswig
Fotos: 
Suzuki
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