Kunst & Kultur
January 22, 2018

CRAFTRAD liest

Eine Abenteuergeschichte lebt von spektakulären Ereignissen in der Außenwelt, ein Roman von der Innenwelt seiner Protagonisten. Ted Simon hat mit Jupiters Fahrt einen Abenteuerroman im besten Sinne geschrieben. Der Journalist machte sich 1973 mit 42 Jahren von England aus auf eine vierjährige Weltreise per Motorrad. Ein Glücksfall für ihn – und für alle Leser seines Berichtes Jupiters Fahrt. Der Bestseller liest sich heute noch so lebendig wie bei seinem Erscheinen vor 37 Jahren.

Ted Simon machte es sich extra schwer: Statt einer BMW wählte er als braver Engländer eine Triumph, obwohl die Marke gerade pleite ging. Statt nach Asien brach er nach Ost-Afrika auf, obwohl sich Ägypten gerade im Jom-Kippur-Krieg befand. Äthiopien durchquerte er kurz vor Ausbruch der Revolution gegen Kaiser Haile Selassie, im damaligen Rhodesien brodelte es. Motorraderfahrung hatte er keine, den Führerschein hatte er auf letzten Drücker vor seiner Abfahrt gemacht. Der Start im nasskalten englischen Herbst setzte schlechte Vorzeichen. Aber kaum war er losgefahren, kippte die Stimmung: 

„Es dauerte nur einige Minuten, und die große Leere in mir war hinweggefegt von einem Sturm der Begeisterung, und in meiner einsamen Verrücktheit fing ich an zu singen.“

Die folgenden 400 Seiten lesen sich wie ein einziger Jubelgesang. Natürlich häufen sich Rückschläge, Schwierigkeiten, Frustrationsschübe, Todesängste, aber die gehören nur zu einem grundlegenden Triumph:

 „Ich bin nicht mehr auf dem Weg von einem Ort zum anderen, ich habe ein neues Leben begonnen.“

Dieses Leben schildert Ted Simon mit selbstkritischem, so analytischem wie humorvollem Tonfall, mit der ganzen Liebenswürdigkeit eines selbstironischen Briten. Statt die Sehenswürdigkeiten abzuhaken, setzt er sich in die Spelunken zu den Maisbier-Trinkern, übernachtet bei pessimistischen Spätkolonialisten, streunt durch ein Dorf voller bedröhnter Indio-Zombies. Gerät er in Liebesplänkeleien, erinnert ihn Hemingway-Lektüre daran, wo die Macho-Fallen liegen. Anders als solche Großkotze der Reiseliteratur wie Evelyn Waugh (lustig) oder Paul Theroux (unlustig) wird Ted Simon nie überheblich. Als Leser von C.G. Jungs Psychoanalyse reist er mit dem Motorrad auch in sein Inneres, aber bleibt dabei immer auf dem Boden. Erst durch diese Selbstbefragungen wird die Tragweite seiner Abenteuer nachvollziehbar. Zwischen Identitätsirritation und Spionageverdacht, zwischen despotischen Grenzwächtern und hilfsbereiten Tankwarten, über die Seitenpfade von fünf Kontinenten schafft es Ted Simon auf einzigartige Weise, das äußere und innere Abenteuer einer Motorradweltreise zu vermitteln. 

„Ich machte mir die gedankliche Notiz, dass Magie einfach etwas zum ersten Mal erleben ist.“

Jupiters Fahrt erzählt von dieser Magie so klug und sympathisch wie kaum eine Alleinreisedokumentation.

Ted Simon - Jupiters Fahrt, Rowohlt Verlag, 398 Seiten, 10 €

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Journal
Info & Credit
Veröffentlicht am: 
January 22, 2018
Autor: 
Jan Joswig
Fotos: 
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