Motorrad
December 6, 2018

Reingeschaut – Eleven Ninety Eight

Eleven Ninety Eight

Maxwell Hazan baut Custombikes wie kein Zweiter. Nichts kann mit seinen Um- und Aufbauten in Stil und handwerklicher Präzision verglichen werden, dabei hat er den Motorradbau nie professionell gelernt. Als Autodidakt hat er sich die Arbeit an Drehbank und Co. selbst beigebracht und sich über die Jahre ein Können erarbeitet, mit dem er vom Rahmen bis zur Kupplung nahezu jedes Bauteil in Eigenregie konstruiert und fertigt. Vom Bobber im Art déco Stil bis hin zu eigenwilligen Supersportlern und kunstvollen Klassikern – nichts, was Max unprobiert lässt.

Neben all der Arbeit an seinen Unikaten darf das Motorradfahren aber nicht zu kurz kommen. Doch statt gemütlich über kurvige Straßen zu gleiten, scheucht Max lieber seine Ducati über die Salzwüste. Der Filmemacher Josh Allen hat ihn und seinen Kumpel Gerald Harrison nach Salt Lake City zur Bonneville Speed Week auf den Salt Flats begleitet und die Leidenschaft der beiden für Handwerk und Geschwindigkeit wunderbar in Szene gesetzt!

Reingeschaut!

In einer Stadt, die nicht nur von einer extrem begrenzten Wohnraumsituation, sondern auch horrenden Mietpreisen geprägt ist, gestaltet sich die Suche nach einer geeigneten Bleibe zu einer wahren Odyssee. Nach gut zwei Jahren permanenter Ortswechsel, finden sie im Februar 2017 das richtige Objekt. Das Container Collectiv am Ostbahnhof hält einen alten Schiffscontainer bereit, der noch auf neue Mieter wartet. Hier, inmitten von Künstler-Ateliers Bars und Cafés, scheint endlich die richtige Umgebung für das kreative Schaffen am geliebten Zweirad gefunden. Der Platz in der neuen Werkstatt ist zwar extrem begrenzt und auch der komplette Neuaufbau einer Maschine für einen Kunden fordert ihnen einiges ab, dennoch schaffen es die Jungs ihren ersten Auftrag zufriedenstellend in die Tat umzusetzen.

Custom Passion

Kaum hat die hübsche SR 500 als Scrambler ihren Container verlassen, folgen auch schon die nächsten Projekte. Aktuell ist es eine Yamaha XS 1100, die sie zu einem leistungsstarken und dennoch  komfortablen Cruiser umgebaut haben – englisches Understatement á la Jaguar eben. Da darf eine Lackierung in British Racing Green natürlich nicht fehlen, ebenso Lenkerbänder aus Leder und der Tank einer amerikanischen XS 1100, der für eine schlankere Linie sorgt.

Im dritten Jahr ihres Bestehens hat sich das Kollektiv an die Arbeit mit und für Kunden gewöhnt:

"Es ist interessant und auf eine andere Weise fordernd mit Ideen und der Inspiration des Kunden zu arbeiten und jedem Projekt zudem die eigene Handschrift zu verpassen."

Dabei ist für sie jeder Umbau ein echte Herzensangelegenheit. Mit ihrer Detailversessenheit versuchen sie Unikate zu schaffen, die ihren Kunden ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Das mag zwar kitschig klingen, aber wer Wochen und Monate mit einer Maschine auf wenigen Quadratmetern in einem Container verbringt, der entwickelt einfach eine innige Bindung. So verwundert es kaum, dass ihnen so manch ein Abschied nicht ganz leicht fällt ‒ auch wenn das breite Grinsen zufriedener Auftraggeber für alle Mühen entlohnt.

Gelb, rot und schwarz stehen bei der Anschaffung zur Debatte, sowie etwas über 4.000 Euro. Nicht wenig Geld für den kleinmotorigen Flitzer, aber ausgerüstet mit Taucherbrille und Badehandtuch ist man damit der King an jedem Badeteich.

Journal
Info & Credit
Veröffentlicht am: 
December 6, 2018
Autor: 
Moritz Weinstock
Fotos: 
Josh Allen
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