Reise
April 12, 2017

Torque to Strangers – Es geht los!

Von Berlin nach Tokio

Eine lang gehegte Idee wird in die Tat umgesetzt. Ein Trip von Berlin nach Honshū als halbjährige Grenzerfahrung. Diesen Frühling werden Fische gebuttert, die Bikes beladen und einmal durch den eurasischen Kontinent gebrettert. Wir begleiten die Brüder Thies und Momme Klausen digital auf ihrer analogen Reise.

Vorbereitung ist bekanntlich alles – Monate haben die Wahlberliner in zwei Tagesschichten gelebt und versucht, geregeltes Einkommen und Reiseplanung unter einen Hut zu bringen. Zwischen Visa-Beantragungen, Impfungen und Versicherungen passt immer noch etwas Papierkram. Und noch mehr Papierkram. Ein Sturm im Wasserglas im Vergleich zu dem, was ihnen noch bevorsteht.

Es passiert. In diesem Augenblick. Seit exakt sieben Tagen sind Thies und Momme auf ihren KTMs unterwegs. Am 4. April, einen Tag vor der Abreise, waren die letzten Kleinigkeiten geregelt. Stichwort „Internationaler Zulassungsschein“ – in der Bürokratie-Hölle Lichtenberg, so charmant wie ein Rastplatz im deutschen Niemandsland. Es wurden Wohnungsschlüssel übergeben, die Maschinen beladen. Und dann erst mal Kilometer machen, auf Autobahnen, die hier überall gleich aussehen, vorbei an Orten, die keiner gesehen haben muss. So wie Nürnberg, oder das Hauptquartier des ADAC. Geradewegs nach Salzburg, kurz vor den Alpen, wo der Spaß beginnt.

Und weiter geht's!

In einer Stadt, die nicht nur von einer extrem begrenzten Wohnraumsituation, sondern auch horrenden Mietpreisen geprägt ist, gestaltet sich die Suche nach einer geeigneten Bleibe zu einer wahren Odyssee. Nach gut zwei Jahren permanenter Ortswechsel, finden sie im Februar 2017 das richtige Objekt. Das Container Collectiv am Ostbahnhof hält einen alten Schiffscontainer bereit, der noch auf neue Mieter wartet. Hier, inmitten von Künstler-Ateliers Bars und Cafés, scheint endlich die richtige Umgebung für das kreative Schaffen am geliebten Zweirad gefunden. Der Platz in der neuen Werkstatt ist zwar extrem begrenzt und auch der komplette Neuaufbau einer Maschine für einen Kunden fordert ihnen einiges ab, dennoch schaffen es die Jungs ihren ersten Auftrag zufriedenstellend in die Tat umzusetzen.

Custom Passion

Kaum hat die hübsche SR 500 als Scrambler ihren Container verlassen, folgen auch schon die nächsten Projekte. Aktuell ist es eine Yamaha XS 1100, die sie zu einem leistungsstarken und dennoch  komfortablen Cruiser umgebaut haben – englisches Understatement á la Jaguar eben. Da darf eine Lackierung in British Racing Green natürlich nicht fehlen, ebenso Lenkerbänder aus Leder und der Tank einer amerikanischen XS 1100, der für eine schlankere Linie sorgt.

Im dritten Jahr ihres Bestehens hat sich das Kollektiv an die Arbeit mit und für Kunden gewöhnt:

"Es ist interessant und auf eine andere Weise fordernd mit Ideen und der Inspiration des Kunden zu arbeiten und jedem Projekt zudem die eigene Handschrift zu verpassen."

Dabei ist für sie jeder Umbau ein echte Herzensangelegenheit. Mit ihrer Detailversessenheit versuchen sie Unikate zu schaffen, die ihren Kunden ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Das mag zwar kitschig klingen, aber wer Wochen und Monate mit einer Maschine auf wenigen Quadratmetern in einem Container verbringt, der entwickelt einfach eine innige Bindung. So verwundert es kaum, dass ihnen so manch ein Abschied nicht ganz leicht fällt ‒ auch wenn das breite Grinsen zufriedener Auftraggeber für alle Mühen entlohnt.

Gelb, rot und schwarz stehen bei der Anschaffung zur Debatte, sowie etwas über 4.000 Euro. Nicht wenig Geld für den kleinmotorigen Flitzer, aber ausgerüstet mit Taucherbrille und Badehandtuch ist man damit der King an jedem Badeteich.

Journal
Info & Credit
Veröffentlicht am: 
April 12, 2017
Autor: 
Oliver Schlegel
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