Kunst & Kultur
March 25, 2018

Woodstock Moto Co.

Gemeinsam schrauben

Was dem Mann früher sein Bastelkeller war, ist ihm heute die Community Garage. Hand anlegen nach Feierabend, Bierflasche mit den Zähnen öffnen und das Motorrad mit ein bisschen Glück nicht kaputtreparieren. Mehr braucht es nicht zur Seligkeit. Community Garages für die Gemeinde der Cafe-Vollbart-Racer werden gerade weltweit gegründet, in den USA, England, Australien – und in Südafrika.

Die WMC (ursprünglich Woodstock Man Cave, jetzt weniger grinseverkifft in Woodstock Moto Co. umbenannt) ist bis heute die einzige Community Garage in der 4-Millionen-Stadt Kapstadt, aber sie tut alles dafür, um die Szene zu konsolidieren. Ex-Model und Fotograf Devin Paisley suchte für seinen Jeep und seine fünf Motorräder Stellraum. Er stieß auf ein ehemaliges Lagerhaus im Viertel Woodstock, in das verstärkt die weiße Wohlstands-Bohème drängt (letztes Jahr bekam die WMC eine Mieterhöhung um 53%). Der Raum provozierte Pläne über die bloße Abstellmöglichkeit hinaus: Bringen wir Leben in die Bude, Arbeitsboxen dort, Kaffeeausschank hier, Schlauschnackertresen in der Mitte – gründen wir eine Community Garage, wie Devin es in Australien bei Kustom Kommune und Rising Sun Workshop erlebt hatte.

Seit 2014 existiert die Garage mit circa 45 festen Mitgliedern. Sechs voll ausgerüstete Arbeitsplätze stehen zur Verfügung, Profis greifen einem unter die Arme, Lehrgänge zu Themen wie "Wie lasse ich mich beim Gebrauchtkauf nicht übers Ohr hauen?" oder "Wo ist eigentlich vorne beim Motorrad?", aber auch zu Vergasereinstellung und Elektrik werden angeboten genauso wie feste Veranstaltungen: Beim "Motor Social" präsentiert man sich der misstrauischen Öffentlichkeit als der nette Haufen, der man ist. "Don't be a dick" ist das Motto, mit dem man sich von den alten Grummel-Harley-Stinkern abgrenzen will. Die "Garage Built Show" jeden Dezember fährt das ganze Motorrad-Heritage-Programm auf wie Wheels & Waves oder Bike Shed auch: Umbauten, Musik, Streetfood, Klamotten, alles nostalgisch-vollwertig.

Motorradfahren in Südafrika hat paradiesische Rahmenbedingungen: blendendes Wetter, rudimentärer TÜV (die Prüfer stellen nicht mal den Motor an), legales Lane splitting. Die neue Custom-Szene baut sich seit 2012 auf, parallel zu den USA und Europa. Schwarze interessieren sich nicht dafür, Coloured People bevorzugen aufgemotzte Superbikes. Frauen tun sich auch schwer. Los Muertos Motorcycles, die mit ihrem Umbau Svart Gevaar zum internationalen Leuchtturm der südafrikanischen Custom-Szene avanciert waren, haben vor ein paar Wochen hingeschmissen. Aber einen besseren Botschafter als den Sunnyboy Devin mit seiner blonden Surfer-becomes-Biker-Tolle kann man sich nicht vorstellen. Wenn er zwischen Werkstatt und Kaffeetresen hin und her wetzt und rote Dichtungspaste in der einen und cremeweißen Bubble-Kaffee in der anderen Hand balanciert, weiß man instinktiv, was er damit meint, Motorradfahren müsse "fun and accessible" sein.

Journal
Info & Credit
Veröffentlicht am: 
March 25, 2018
Autor: 
Jan Joswig
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