Neematic FR/1 – E-Bike fürs Grobe

„The world´s most powerful electric bike” ist eine Aussage, die man sich erstmal trauen muss. Ist das noch Fahrrad oder schon Motorrad? Und was meinen die Jungs von Neematic eigentlich mit „Bike”? Erstmal egal, denn das Ungetüm mit 80 Km/h Topspeed und bis zu 100 Km Reichweite sieht nach jeder Menge Spaß aus. Aber von vorn.

Im Jahr 2010 kommt Bike-Enthusiast Linas das erste Mal mit Elektrofahrrädern in Kontakt. Bald darauf fängt er an, eigene Kreationen aus Fahrrad und E-Antrieb aufzubauen. Fasziniert von den Fahreigenschaften und dem Erlebnis der schier grenzenlosen Beschleunigung batteriebetriebener Motoren, lässt ihn das Thema nicht mehr los.

E-Mobilität ist noch klein in Litauen, also kurbelt er fleißig an der Werbetrommel und promotet die neuen Möglichkeiten der Fortbewegung wie nur wenige in seinem Land. Vier Jahre später lernt Linas einen Spezialisten für Federsysteme im Motorsport kennen. Dinas, der bereits erfolgreich Rallye und Motorsport-Teams mit Serviceleistungen für Dämpfer- und Federelemente unterstütze, ist von der Idee eines leichten, schnellen und offroad-tauglichen E-Bikes überzeugt. Vorerst auf das Wochenende beschränkt, arbeiten die Beiden an ersten Prototypen. Als im Juli 2015 auch noch der Geschäftsmann Justinas mit einsteigt, dauert es nur noch ein Jahr, bis ihr Neematic Freeride Motorcycle der Weltöffentlichkeit auf der Intermot 2016 vorgestellt wird.

Dabei wirkt ihr Extreme-performance-electric-bike fast wie ein etwas zu schwer geratener Downhiller aus dem Fahrradbereich. Hauptunterschied dazu ist vor allem der Lithium-Ionen-Akku, sowie der E-Motor, der mittig zentriert als Schwerpunkt der Konstruktion für ein ausgewogenes Fahrgefühl sorgen soll. Abgesehen davon, sind mit Federelementen von FOX Racing Shox und Hope Scheibenbremsen klare Fahrrad-Gene zu erkennen. Auch das 9-Gang-Getriebe von Pinion ist aus dem Fahrradsport.

Nicht weiter schlimm, denn das Neematic-Bike erhebt auch nicht den Anspruch, eine vollwertige Motocross-Maschine ersetzen zu können. Vielmehr verfolgen die Jungs aus Litauen das Ziel, Mountainbikern und Zweirad-Fans erweiterte Mobilität auf Wald-und Wiesenböden zu ermöglichen ‒ und den Geschwindigkeitsrausch auch auf Geraden erlebbar zu machen. Dank dem Gesamtgewicht von nur 52 Kg und einem starken E-Motor mit einer Maximalleistung von 15 KW sind auch Wheelies und schnelle Bergauffahrten kein Problem. Wer dann trotzdem mal treten möchte, kann zur Unterstützung oder bei leerem Akku auf dem Heimweg nochmal die Muskeln arbeiten lassen. Mit einer Stückzahl von vorerst 50 Exemplaren ist der FR/1 von Neematic noch ein seltener Schrecken für Otto-Normalo-Pedelecs und deutsche Zulassungsbehörden, aber mehr soll folgen.

Text: Moritz Weinstock

Bilder: Neematic

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