Ritsert Mans – Holzmotorrad mit Algen-Antrieb

Ritsert Mans ist eigentlich Designer. So lange er sich zurückerinnern kann, repariert er in seiner Freizeit alte Autos und Motorräder. Irgendwann bemerkte er aber, dass ihn die stupide Arbeit am Computer nicht mehr erfüllt. Also macht er sich vor ein paar Jahren selbständig und arbeitet von nun an ganz anders. Holz als Werkstoff hat es ihm dabei besonders angetan. Neben künstlerischen Skulpturen entstehen Holzverkleidungen für das heimische Soundsystem und andere Einrichtungsgegenstände. Klassisches Handwerk kann auch modern. Mit dieser Maxime will Ritsert der Welt zeigen, was durch Forschung und Rückbesinnung auf natürliche Materialien möglich ist. Denn ihre Eigenschaften überzeugen nicht nur durch Nachhaltigkeit, auch die Umwelt wird durch ihre Verwendung geschont.

Schon lange hatte er an Holzrahmen für Zweiräder getüftelt und so entwickelte sich Stück für Stück ein erstes Konzept für etwas Größeres. Als dann noch ein befreundeter Wissenschaftler mit aus Algen gewonnenem Öl Motoren zum Laufen bringt, kommt das Projekt eines umweltbewussten Motorrads ins Rollen. Dieselmotoren gelten als relativ anspruchslos, wenn es um den zu verbrennenden Rohstoff in ihren Zylinder geht. Deshalb verbaut Ritsert ein 500 ccm starkes Aggregat, dass von nun an mit dem alternativen Brennstoff laufen soll und die so gewonnene Leistung über einen Zahnriemenantrieb auf das Hinterrad befördert.

Für den Rahmen verwendet er fast ausschließlich das Holz von Birken und Eichen, die er mit heißem Wasserdampf in die gewünschte Form biegt. Und selbst bei den Federelementen verzichtet er auf moderne Produkte aus der Zweiradbranche. Die einarmige Gabel besteht aus einem Verbund aus Birke und Eiche, die mit Korkeinlagen für eine anständige Dämpfung sorgen soll. Für die ebenfalls einarmige Hinterradschwinge verwendet Ritsert ausschließlich die härtere Eiche und geöltes Kork, das er zwischen Rahmen und Aufhängung verbaut. Die ganze Rahmenkonstruktion hält klassischer Holzleim zusammen, da mit Epoxy-Harz etwaige Reparaturen schwieriger zu bewerkstelligen wären. Lediglich für die Achsen und Steuerelemente kam bewehrter Stahl zum Einsatz.

Alles in Allem wiegt das Motorrad mit dem kleinen Tank von lediglich einem halben Liter Fassungs-vermögen rund 140 Kg. Mit Trommelbremsen an dem 23 Zoll Vor-und dem 21 Zoll Hinterrad ist man zwar nicht ganz so zeitgemäß unterwegs, aber das Bike ist nur ein erster Entwurf, den der Designer noch weiter verbessern möchte. Und auch wenn es noch an harten Fakten und Zahlen zu Geschwindigkeit, Reichweite und Fahrerlebnis fehlt – Ritserts Mans zeigt mit seinem Motorrad sehr eindrucksvoll, dass es auch abseits von E-Motoren, Lithium-Ionen-Batterien, Karbon und anderen modernen Materialien möglich ist, ein spannendes und zukunftsfähiges Zweirad zu bauen.

Text: Moritz Weinstock

Bilder: Jesse Kraal

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