Motorworld Classics – Triumph Thunderbird 6T

Die Motorworld Classics präsentieren vom 5. bis 8. Oktober Raritäten aus beinahe allen Jahrzehnten. Im Maschinenraum widmet sich die Messe in einer eigenen Halle dem Thema Motorrad. Als besonderes Highlight fungiert der Legendenstrahl. Beginnend mit den 1920er-Jahren wird jedes folgende Jahrzehnt bis in die Neunziger von einem Modell repräsentiert, das prototypisch den jeweiligen Zeitgeist der Dekade widerspiegelt

In unserem dritten Teil stecken wir ein Jahrzehnt ab, das all zu gerne übersprungen wird – die 1940er-Jahre.

Wie die Lücke im Lebenslauf wirkt das Jahrzehnt auch in die Motorrad-Historie zurück. Die Vierziger sind überschattet vom Krieg, der ganz Europa in den Abgrund stürzt. Auch die Triumph-Werke in Coventry bleiben von den Flächenbombardements der Deutschen Luftwaffe nicht verschont und werden bei einem Angriff 1940 zerstört. Zwei Jahre später kann die Produktion im nahegelegenen Meriden wieder aufgenommen werden.

Motorräder aus den 1940er-Jahren weisen größtenteils Technik der Vorkriegsmaschinen auf. Als Triumph 1946 wieder anfängt Zivilprodukte herzustellen, knüpft man direkt an den erfolgreichen Speed Twin aus den Dreißigern an. Ein OHV-Parallel-Twin mit 34 PS bei 6.300/min sorgt für ein ausreichendes Maß an Vorschub. Das war auch nötig angesichts der heimischen Konkurrenz a lá Norton, BSA, Matchless und Royal Enfield mit ihren 500-ccm-Modellen. Um sich weiter von den Mitbewerbern abzusetzen, wurden die Zylinder der Thunderbird auf 650 ccm aufgebohrt. Hauptabsatzgebiet waren die USA, wo die englischen Marken und Triumph insbesondere, beachtliche Verkaufserfolge erzielen konnte. Doch die Amerikaner entwickelten bald ein ambivalentes Verhältnis zum Motorrad. Zu einem unerwarteten Marketing-Coup verhalf Marlon Brando der Marke mit seiner Rolle als Anführer einer Rockergang in The Wild One (1953). Im Film spielt Brando einen aufmüpfigen Rebell, der auf seiner Thunderbird die Bewohner des kleinen Städtchens Hollister in Angst und Schrecken versetzt. Zeitgleich bedeutete die Verfilmung die Stigmatisierung aller Motorradfahrer, die zukünftig mit dem Image des rüpelhaften Kuttenträgers konfrontiert wurden.

Mit ihren 650 ccm kam die Pre-Unit-Triumph der Nachfrage nach Hubraum- und leistungsstarken Maschine nach. Dennoch muss man  man festhalten , dass diese Größe in den USA schon damals eher als Mittelklasse eingestuft wurde. War das Modell bei seiner Markteinführung 1949 durchaus ein sportliches Fahrzeug, übernahmen die Nachfolger zunehmend diese Rolle und die Thunderbird wurde vermehrt als Beiwagenmaschine eingesetzt. Mit der Tiger 110 (1954) und der legendären Bonneville (1958) lässt sich bereits hier der Trend nach immer schnelleren Motorrädern verzeichnen. Diese Leistungs- und Hubraumspirale sollte schließlich mit dem Eintreten der japanischen Marken in den US-Markt noch verstärkt werden.

Text: Henry Kerinnes
Fotos: H&H Auctioneers

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