Torque to Strangers – Siberian Summer

Thies und Momme sind wieder in Sibirien. Kaum zu glauben, dass sie den größten Teil ihrer Strecke bereits hinter sich haben und so langsam auf die Zielgerade einlenken. Bis dahin sind es aber noch einige Wochen. Auf ihrer nächsten Etappe liegen verlassene Städte, der tiefste See der Welt und die Road of Bones vor ihnen.

In Ulanbataar geraten sie mitten in die Festivitäten zum Nadaam. Bei dem Volksfest messen sich die stärksten des jeweiligen Dorfes im Bogenschießen, Reiten und Wrestling. Die Brüder erkennen aber, dass ihre Kompetenzen in anderen Bereichen liegen und schmeißen ihre Bikes an. Ihre Zeit in der Mongolei vergessen sie aber nicht. Was für sie ein großes Abenteuer ist, ist für die Mongolen ihr alltägliches Leben.

An Sibirien führt in diesem Winkel der Erde kaum ein Weg vorbei. Fasziniert sind sie vom abrupten Wechsel. Nicht nur, dass die Landschaft wieder grüner ist, sondern auch, dass die Städte wieder europäisch aussehen. Straßen heißen plötzlich Karl Marx und Lokale tragen den Namen Bierhaus. Die Transsibirische Eisenbahn passiert Irkutsk, bevor sie an den Ufern eines besonderen Sees vorbeiführt – der Baikal: ein einziger Weltrekord. Er ist nicht nur der älteste und tiefste See der Welt, sondern auch das größtes Frischwasser-Reservoir auf dem Planeten. Auf dem See liegt die Insel Olchon, ein beliebtes Reiseziel. Thies und Momme beschließen ein paar Tage auszuspannen und fühlen sich wie im Ferienparadies. Rundherum nur Wasser, wenn auch mit 10°C sehr kalt, und eine Landschaft, als hätte sie Iwan Konstantinowitsch Aiwasowski persönlich gemalt.

Mit neuen Kräften und hungrig auf die Straßen, die sie ihrem Ziel näher bringen, machen sie richtig Strecke. Auf Schotterpisten schaffen sie an guten Tagen immerhin bis zu 600 Kilometer. Ist die Straße asphaltiert, sind es ungleich mehr. Auf dem Weg nach Jakutsk passieren sie die gut ausgebaute M58 und schaffen fast 1.000 Kilometer. Dazwischen immer wieder Zeugen einer vergangenen Zeit. Geisterstädte wie Ust-Nera erzählen die Träume und  deren Untergang vieler Menschen. Einst als hoffnungsvoller Aufbruch gegründet, lebt die Stadt von und mit der nahegelegenen Kohle-Mine. Als die Pipelines voller Öl aber in den 1990er-Jahren wachsen, ist der Rohstoff nicht mehr profitabel und mit der Kohle verschwinden auch die Menschen. Was zurückbleibt sind Häuser, in denen schon lange niemand mehr lebt und ein beklemmendes Gefühl der Endlichkeit der Dinge.

 

Der Kolyma-Highway führt die beiden weiter nach Magadan. Der Ursprung des inoffiziellen Titels Road of Bones liegt in der Vergangenheit. Im Zweiten Weltkrieg von Strafgefangenen eines Gulags errichtet, kommen die Zwangsarbeiter beim Bau mehrheitlich um. Auch dieses Kapitel ist Teil Sibiriens. Zuletzt erlangt die Straße vor über zehn Jahren mediale Aufmerksamkeit, als Ewan McGregor für Long Way Round auf ihr unterwegs ist.

Unsere beiden Helden aus dem Norden erreichen endlich Magadan. Von hier führt keine Straße weiter. Das Ende Sibiriens ist aber nicht das Ende der Reise. Die Jungs finden ihren Weg nach Tokyo – irgendwie.

Fortsetzung hier oder auf Torque to Strangers

Text: Henry Kerinnes
Fotos: Torque to Strangers

 

 

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