Torque To Strangers – One Hell of a Ride

Ohne Blessuren kamen die Motorräder aus dem Container – ein Glück für die Jungs, denn andere Maschinen haben die dreiwöchige Schiffsreise von Magadan nach Wladiwostok nicht ganz unbeschadet überstanden. Jetzt kann es weitergehen, die Motivation ist groß und da die Fähre nach Japan erst am nächsten Tag geht, gönnen sich die Beiden einen Tagestrip in die Stadt Chassan. Der dort liegende Chassansee bildet in seiner Mitte die natürliche Grenze zwischen Russland, der Volksrepublik China und Nordkorea. Ein politisch brisanter Ort müsste man meinen, doch statt üppigem Militäraufgebot und Grenzkontrollen en masse, stehen hier Kühe auf der Straße und Güterwagen auf dem Abstellgleis.

Nordkorea scheint zum Greifen nahe und Thies und Momme´s Verwunderung darüber endet prompt in Erklärungsnot bei russischen Zollbeamten. Natürlich haben sie eines der Hinweisschilder übersehen und sind in ein Sperrgebiet gefahren. Nach einer Stunde sind sie aber wieder auf freiem Fuß und kehren zurück nach Wladiwostok.

Am nächsten Tag heißt es dann: auf nach Japan. Nach zwei Tagen Fahrt samt Kurzaufenthalt in Donghae, Südkorea (und somit Land Nummer 21 auf ihrer Reise), erreichen sie Sakaiminato.

Ein kurzer “Drogencheck” ihrer Motorräder, negatives Ergebnis und ab geht´s auf japanischen Boden.

Doch nach der harten Road of Bones, wo sie sich einzig den Regeln der Natur Sibiriens fügen mussten, erscheint ihnen das von Verkehrsschildern und Tempolimits überwucherte Japan wie ein Käfig für Wildkatzen. Maximal 40 Kilometer in der Stunde innerorts und höchstens 60 Stundenkilometer außerorts. So langsam sind sie zuletzt auf groben Offroad-Terrain in der sibirischen Steppe gefahren, jetzt hingegen auf bestens asphaltierter und breit angelegter Straße.

Zwar gibt es in Japan auch Autobahnen auf denen 100 Stundenkilometer möglich sind, allerdings zerstören die hohen Mautkosten jedes Verlangen den Motor höher zu drehen. Doch die Lust an der Geschwindigkeit sucht sich auch hier ihr Ventil. Je höher das Maß an Überregulierung des Verkehrs, desto heftiger der Protest auf der Straße. Verständlich also, dass ein so von Regeln und Vorschriften geprägtes Land in der Vergangenheit mit rebellischen Motorradgangs und Auto-Tunern a lá Tokyo Drift zu tun hatte.

Nächster Stop: Kyoto. Die Stadt, die nahezu jedem Japan-Reisenden ein Begriff ist, lockt auch Thies und Momme mit ihren vielen Tempeln und Sehenswürdigkeiten. Nachdem die Besichtigungen abgehakt sind, zieht es die Beiden raus aus der Stadt und rein in den alpinen Teil der Insel. Mount Fuji ist ihr nächstes Ziel. Die geschlängelten Landstraßen dorthin laden zum cruisen ein und wecken ganz nebenbei Erinnerungen an durchfahrene Länder. Mit knapp 3.800 Metern Höhe ist der Vulkan die höchste Erhebung Japans. Doch statt Panoramawetter und bester Sicht auf die meist schneebedeckte Spitze des Fuji, sorgt Taifun Talim für jede Menge Regen und Wolken.

Ohne Regenschirm schützt hier nur der Helm, also geht es ohne schönes Foto weiter. Zwei regnerische Stunden später, erhebt sich aus dem Grau der Wolken die Skyline Tokyos. Die nassen Motorradklamotten fühlen sich plötzlich ganz warm an und ihre Helme können das Grinsen kaum verbergen. Es ist geschafft! Das ist die Stadt, der sie über 30.000 Kilometer entgegen gefahren sind. Für manch Anderen sind es ein paar quälende Stunden im engen Flugzeug. Für Thies und Momme waren es hingegen 173 knallharte Tage durch staubige Wüsten, kalt-feuchte Steppen und menschenfeindliche Weiten. Alles auf zwei Rädern durchfahren und stets den Naturgewalten ausgesetzt. Jetzt ist ihr Abenteuer vorbei und nach ein paar Tagen Sightseeing in der japanischen Hauptstadt, heißt es schlussendlich Abschied nehmen und Motorräder abgeben. Die Maschinen, die trotz widrigster Verhältnisse nahezu fehlerfrei blieben, gehen nun in die Hände der japanischen Kollegen von KTM über – und Thies und Momme sind wieder zu Fuß unterwegs. Guten Heimflug Jungs, well done!

 

Text: Moritz Weinstock
Bilder: Torque To Strangers

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